Eine etwas verzerrende Berichterstattung
Der Standard macht heute mit der Schlagzeile auf:
Klimawandel macht Österreich kaum noch Sorgen
Die Zeitung stützt sich da auf eine Umfrage des Instituts market. „Nur mehr 29 Prozent geben in der aktuellen Umfrage des STANDARD ihre Klimasorgen zu Protokoll“, heißt es in einem kurzen Artikel auf Seite 1, der online leider nicht zur Verfügung steht. Auf Seite 5 wird das Thema fortgeführt mit einem großen Artikel „Österreicher sorgen sich mehr ums Land als um ihr Privatleben“; den gibt es auch online. Und der berichtet dann auch etwas differenzierter.
Leider geben beide Artikel keine Übersicht über die exakten Fragen bzw. Antwortmöglichkeiten. Die Ergebnisse sind deshalb schwer einzuschätzen. Und immerhin haben 29% „Klimasorgen“; für andere Menschen sind andere Sorgen offenbar dringender. Ja, ich verstehe das: Das Klima ist da oft „der Rock“, die Wirtschaft ist „das Hemd“, die Inflation aber „das Unterhemd“. Und der Rock ist eben weiter entfernt als das Unterhemd.
Ich habe das im Artikel „Klimawandel bleibt Problem 1“ vom 29.12. schon diskutiert.
Nun zitiert der Standard den market-Institutsleiter Pfarrhofer:
Heute bewegt das immer noch höher gebildete Wahlberechtigte sowie die Wählerschaften von Grünen, SPÖ und Neos in hohem Maße; aber für andere Gruppen hat Klima weniger bis gar keine Bedeutung. Von den freiheitlichen Wählerinnen und Wählern sagt glatt die Hälfte, dass sie sich da gar keine Sorgen macht
Ich lese da aber nicht, dass der Klimawandel Österreich „kaum noch Sorgen macht“; die Schlagzeile verzerrt gewaltig. Ich lese, dass das FPÖ-Wähler:innen lieber wegschieben wollen. Offenbar gelingt ihnen das.
Ich verstehe, wenn Menschen andere Probleme als den Klimawandel für dringender halten. Das macht aber den Klimawandel nicht weniger bedeutend. Früher oder später werden sich alle – alle! alle weltweit! – mit seinen Auswirkungen auseinander setzen müssen. Je früher es geschieht, desto eher kann man noch Gegenmaßnahmen ergreifen. Je später es geschieht, desto eher ist die Chance dann bereits vorbei.
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Wer wissen will, wie andere Gegenden des deutschen Sprachraums den Klimawandel sehen, könnte „Was, wenn der Meeresspiegel steigt – Rückzug von der Küste?“ in GEO vom 31.12. lesen. Da gibt sich der Klimawandel deutlich dramatischer.

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