michael bürkle

texte … zu bildung, politik und ähnlichem und die einladung zur diskussion …

Michael Bürkle

Kopftuchverbot: erneute Diskussion!

Es soll in Kraft treten, doch es gibt Widerstände

In Österreich wurde für Mädchen bis zum Alter von 14 an Schulen ein Verbot eines islamischen Kopftuchs  beschlossen (genauer: „eines Tuchs, das das Haupt nach islamischen Traditionen verhüllt“). Nach den Semesterferien soll eine Aufklärungsphase beginnen; mit Beginn des Schuljahres 26/27 wären dann nach klärenden Gesprächen mit Eltern und der Verständigung der Kinder- und Jugendhilfe sogar Geldstrafen bzw. Ersatzfreiheitsstrafen für Eltern denkbar.

Die Familien­ministerin Bauer (ÖVP, damals noch Plakolm) und Bildungs­minister Wiederkehr  (NEOS) haben das Kopftuch­verbot als Akt der Freiheit deklariert bzw. das Kopftuch lediglich als Zeichen der Unter­drückung verstanden. Ich halte das für eine sehr beschränkte Sicht der Dinge: ein „Verbot als Akt der Freiheit“ (???); ich kann das aus meiner Erfahrung als Schul­direktor nicht nachvollziehen und habe das schon am 11.12.2024 hier behandelt.

Dieser Ansicht schließen sich nun auch zivil­gesellschaftliche Gruppen an: das Kopftuch­verbot „bedrohe grundlegende Rechte wie das Recht auf Religions­freiheit, Selbst­bestimmung und Bildung und verstoße gegen das Gleich­behandlungs­gesetz“, es „löse keine Probleme im Bildungs­system, sondern sorge für Ausgrenzung und Stigmati­sierung muslimischer Mädchen und Frauen“. Es „ziele auf eine bestimmte Religion und ein bestimmtes religiöses Symbol ab“; deshalb meldete die Leiterin der unabhängigen Gleich­behandlungs­anwalt­schaft ernste Bedenken an. Schon 2020 hat der Verfassungsgerichtshof einen sehr ählichen Gesetzesentwurf gekippt.

Mein Vorschlag

Ich wiederhole ihn hier; er hat sich noch nicht geändert:

Ich hätte einen Zwang zu religiös motivierten Kleidungs­ordnungen – nicht nur islamische! – für Schulen an sich verboten und Kindern, die das nicht wollen, die Gelegenheit gegeben, sich aus diesem Verbot hinaus zu argumentieren. Wenn sie ein Kopftuch tragen wollen und das argumentieren können, sollen sie es tragen dürfen. Man muss in solchen Situationen miteinander reden. Wenn ein jüdischer Bub eine Kippa tragen will, soll er das argumentieren. Unsere Schulen sind staatlich und religiös neutral.

Ja, ich sehe es auch so, dass islamistische Eltern, Familien, aber auch Buben, z.B. Schulkollegen Mädchen bisweilen zum Kopftuch „verpflichten“ wollen. Das kann man nicht zulassen: wenn ein Mädchen das nicht will, muss man aber die Verpflichter zur Rede stellen, nicht den Mädchen etwas verbieten.

Ich würde für Unterricht keine Art von Vermummungen dulden: ich brauche als Lehrer das Gesicht meiner Schüler und Schülerinnen, damit ich sehe, was sie begreifen und wo sie Schwierigkeiten haben, damit ich mit ihnen kommunizieren kann. Das würde auch ganz un-religiöse Vermummungen betreffen. Ein Kopftuch, das das Gesicht frei lässt, ist für mich als Lehrer kein Problem. Eine entspiegelte Sonnenbrille unter Umständen schon.


Beitrag veröffentlicht

in

,

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0
Would love your thoughts, please comment.x