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Michael Bürkle

Kopftuchverbot: „kaum zusätzliche Abmeldungen“

Ein Erfolg?

Laut Zahlen aus den Bildungsdirektionen der österreichischen Bundesländer hat es aufgrund der Einführung eines Kopftuchverbots für islamische Mädchen „kaum zusätzliche Abmeldungen“ gegeben. Zur Erinnerung: das mit diesem Schuljahr eingeführte „Kopftuchverbot“ verbietet es Mädchen bis zu 14 Jahren ein „den Kopf verhüllendes Kopftuch nach islamischer Tradition“ zu tragen. Wenn das der Fall ist, werden die Schuldirektionen und letztlich die Bildungsdirektion eingeschaltet, was für die Eltern zu empfindlichen Geldstrafen führen kann.

Strafen können Familien vermeiden, wenn sie ihre Tochter aus dem staatlichen Unterricht abmelden. Denn es gibt in Österreich keine Schulpflicht, sondern nur eine Unterrichtspflicht. Der kann durch häuslichen Unterricht oder durch einen in einer privaten „Schule“ entsprochen werden.

70! Wenig oder viel?

Im ORF-Artikel „Kopftuchverbot: Kaum zusätzliche Abmeldungen an Schulen“ steht:

Insgesamt nahm die Zahl der Mädchen unter 14 Jahren im häuslichen Unterricht gegenüber dem Vorjahr leicht zu, allerdings nur um rund 70 Personen.

„Nur“ 70? Mir sind das viel zu viele. Ich hätte diese 70 Mädchen lieber in einer staatlichen Schule als in irgendeinem „häuslichen“ oder sonstigem „privaten“ Unterricht – von mir aus mit einem Kopftuch, das das Gesicht frei lässt. (Das tut aber an sich eh jedes; es geht hier nicht um Niqabs.) In einer staatlichen Schule würden sie auch andere Kinder kennen lernen: muslimische ohne Kopftuch, christliche, „christliche“, jüdische (mit und ohne Kippa), solche ohne Religion usw.

Und dann heißt es noch:

In den Bildungsdirektionen konnte man dementsprechend auch keinen Zusammenhang mit dem Kopftuchverbot feststellen.

Ich frage mich: „konnte“ oder „wollte“? Müsste man ja an sich feststellen können, ob die Abmeldung mit dem Kopftuchverbot zu tun hatte.

1 Erfolg oder 70 Misserfolge?

Sind „nur“ 70 Schul­abmeldungen ein „Erfolg“ im Kampf gegen den Islamismus?Oder 70 Misserfolge? Ich weiß es nicht.

Damit es eindeutig wird und bleibt: der Gegner ist nicht der Islam; der ist eine gültige, in Österreich zugelassene Religion, sondern der Islamismus, also kurz: das Bestreben, die Regeln des Islams auf das gesamte Staats­gefüge auszudehnen: z.B. die Scharia in einem Kalifat. Das wäre das Gegenteil der Trennung von Kirche und Staat; die hat sich m.E. aber sehr bewährt, ich halte sie für unverzichtbar.

Ich wiederhole mich: ich bin dafür, dass jedes Kind sich aus einem Kopftuchverbot (o.ä.) hinausargumentieren darf.

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