Der Motorradkonzern schummelt systematisch
Der Motorradkonzern KTM verkauft marktzulässige Motorräder in einem Aufwasch mit Umbausätzen. Mit denen können Motorradwerkstätten oder geschickte Bastler ihr marktübliches Groß-Moped relativ kostengünstig zu einer Enduro-Geländemaschine umbauen. Die darf dann zwar nicht mehr im Straßenverkehr verwendet werden (wird aber doch!) und hat nach dem Umbau einen Schadstoffausstoß „wie eine Diesellok“ und entsprechende Feinstaubwerte ebenfalls. Der ORF berichtet darüber unter dem Titel „Illegale Umbauten, extreme Abgaswerte / «Alibi-Zulassung» bei KTM-Enduros“.
„frisieren“
Sozusagen „immer schon“ haben (geistig) Halbstarke ihre Mopeds „frisiert“. Man fährt mit 17, 18, 19 halt gern schneller als die anderen – das ist leider „normaler“ männlicher Größenwahn; der wird in der Erziehung bereits angelegt. Dass aber ein Konzern das Frisieren seiner Groß-Mopeds oder Klein-Motorräder systematisch beim Kauf schon unterstützt, damit aus 15 PS 50 macht und das als „ein bisschen Betrug“ bis zum Händler sickern lässt, ist nicht tolerierbar.
Reporter von Le Monde haben einen Vertriebsmitarbeiter von KTM bei einer Messe in Brüssel interviewt. Der Mann hat gemeint:
„Die Motorräder sind ungedrosselt entworfen, mit voller Leistung. Also warum drosseln wir sie? Es geht um Emissionsstandards.“ Die Händler würden die Maschine dann wieder entdrosseln. „Es ist ein bisschen Betrug“, so der KTM-Mitarbeiter
„Ein bisschen Betrug“ ist Betrug. So einfach ist das.
Wer trägt die Verantwortung?
Da muss sich KTM einstweilen keine Sorgen machen: es „hängen“ die Fahrer, also die Käufer:
Die Fahrer dieser Maschinen riskieren […] viel, wenn sie mit Nummernschild unterwegs sind und auffliegen sollten. Es drohen hohe Verwaltungsstrafen, der Führerscheinentzug und sogar strafrechtliche Verurteilungen. Ermittlungen wegen Versicherungsbetrugs seien etwa möglich, meinte der Chefjurist des Kuratoriums für Verkehrssicherheit
Zu ziehender Schluss
Die Umbausätze gehören weg. Aus dem Angebot und aus dem Lager von KTM. In Zeiten des Klimawandels darf KTM den Wahnsinn des Verbrennermotors nicht noch übertreiben. Die Motorräder sind bereits im Entwurf fehldimensioniert. Das ist der Teil der Verantwortung, der bei KTM liegt.
Ergänzung am 28.5.:
Im heutigen Standard steht ein in Interview-Form vorliegender Text von Jonas Halbe, Christian Obermayer und Maria Retter unter dem Titel „Wie illegalle Bikes auf die Straße kommen“, online auch unter „«Alibi-Zulassungen» für KTM-Enduros: Wie Bikes illegal auf die Straße kommen“. Der Text erklärt noch einmal das Problem mit den KTM-Enduros in Interview-Häppchen.
