Hattmannsdorfer endgültig korrigiert
Im Juli 2025 hatte ÖVP-Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer „mehr Fleiß und Leistungsbereitschaft“ von uns Österreicher:innen gefordert und von „Lifestyle-Teilzeit“ gesprochen. Gemeint war, dass nach seiner Meinung viele Menschen freiwillig in Teilzeit arbeiten, um ihrem „Lifestyle“ nachgehen zu können. Hattmannsdorfer unterstellte sozusagen „Faulheit“, „zu wenig Fleiß“, und wollte deshalb Teilzeitarbeit „weniger attraktiv“ gestalten.
Ich habe ihm damals schon widersprochen – „Hattmannsdorfer für mehr «Fleiß»“ vom 21.7.25 – und bekomme heute die konkreten Zahlen per AK und WIFO nachgeliefert. Vielen Dank.
Eine kleine Korrektur könnte man beim ORF-Artikel anbringen: die Zahlen der Statistik Austria, der AK und des WIFO „relativieren“ die „Lifestyle-Freizeit“ nicht: sie widerlegen sie.
Die Realität
Die Zahlen der Statistik Austria, die von AK und WIFO präsentiert wurden, zeigen eindeutig: es geht bei Teilzeitarbeit nicht um eine Work-Life-Balance, sondern ganz einfach um mangelnde Alternativen, um ein fehlendes Angebot und um die Verwaltung verschiedener Belastungen:
Neben Betreuungspflichten seien Ausbildung, Überlastung, ein Zweitjob oder ein fehlendes Vollzeitangebot die wesentlichsten Gründe für Teilzeit,
führte WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr aus. Und:
Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen sind der wesentlichste Grund dafür, wobei das wiederum vor allem auf Frauen zutrifft.
Wir haben das jetzt schriftlich.
Der Minister lag falsch
Man brauchte im Juli an sich keine aktuellen Daten der Statistik Austria, um in den Forderungen Hattmannsdorfers gravierende Denkfehler zu finden; das war aus dem Stand möglich. Jeder „normale“ Mensch sieht die realen Verhältnisse und damit die Fehler in der Argumentation des Ministers täglich am Arbeitsplatz.
Was aber ist von einem Minister für Wirtschaft, Energie und Tourismus zu halten, der in den Einschätzungen gravierender Probleme auf dem Arbeitsmarkt derart daneben liegt? Das ist doch bedenklich. Gut: wer aus Gründen von Lifestyle und Work-Life-Balance freiwillig in Teilzeit arbeiten will, muss bereits einen recht gut bezahlten Job haben.
Einen Hinweis gibt vielleicht seine eigene Berufslaufbahn: „Hattmannsdorfer begann seine politische Laufbahn während seines Studiums. Im Jahr 2003 [also mit 24, Anm. m.b.] wechselte er als Referent in den Landtagsklub der ÖVP Oberösterreich, [—] Zusätzlich zu seiner politischen Tätigkeit war Hattmannsdorfer in verschiedenen Aufsichtsräten und Funktionen in parteinahen und halböffentlichen Unternehmen tätig, […]“ heißt es auf der Wikipedia-Seite über ihn.
Der Mann ist seit seinem Studium Berufspolitiker und politischer Funktionsträger. Mit Work-Life-Balance kennt er sich offenbar aus.

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