US-Elite-Uni Cornell unter Vorwürfen
Die US-Universität Cornell in Ithaca (N.Y.) hat offenbar zwei Jahre lang den Fall einer Gruppenvergewaltigung verschwiegen und nicht verfolgt. Cornell ist eine teure Privatuni (Studiengebühren an die 70.000 $), an der knapp 30.000 junge Leute studieren. Sie gehört zur „Efeu-Liga“, der „Ivy League“ besonders angesehener Universitäten.
Der Fall ist schon seit einigen Tagen publik und mir war eine Zeit lang nicht klar, wie man in der Öffentlichkeit einer US-Uni eine Vergewaltigung durchführen kann, aber man kann: die Vergewaltigung geschah offenbar im Haus einer Studentenverbindung, der „Bruderschaft“ (fraternity) „Chi Phi“. Insofern ist nicht „die Uni“ direkt verantwortlich, sondern eben dieser Männerbund, in dessen Rahmen eine Gruppe von 7 Studenten eine Frau gefügig gemacht und vergewaltigt hat. Die Uni ist allerdings doch verantwortlich für das Unter-den-Tisch-kehren der Tat: Die „Gouverneurin erhebt schwere Vorwürfe“.
Das eigentliche Problem
Das eigentliche Problem sind m.E. Männerbünde wie z.B. Studentenverbindungen. Die gibt es auch bei uns. Jetzt kann man deutsch-österreichische Verhältnisse nicht mit US-amerikanischen völlig gleichsetzen, aber „vergleichen“ kann man schon: man kommt dann auf große Ähnlichkeiten und gewisse Unterschiede.
Zu den Ähnlichkeiten gehören die lebenslangen Beziehungen, die zwischen den „aktiven“ Verbindungs-Mitgliedern und den „Alten Herren“ aufgebaut werden; das soll bei der Job-Suche nützlich sein und würde unter Umständen zahlreiche Stellenbesetzungen, die manchmal schwer verständlich sind, erklären.
Studentenverbindungen gibt es bei uns i.W. als „katholische“ im sog. „Cartellverband“ und als sog. „schlagende“: die schlagenden sind i.W. deutschnational und führen rituelle Säbelgefechte – sog. „Mensuren“ – aus, bei denen man sich als „Schmiss“ auch schon einmal eine gut sichtbare Narbe holen kann, auf die man dann stolz ist. Schlagende Verbidungen haben traditionell enge Beziehungen zur FPÖ und in letzter Zeit auch zu den sog. „Identitären“.
Die katholischen fechten nicht, verstehen sich i.a. als „christlich“ und haben enge Verbidungen zur ÖVP. Bei beiden ist die lebenslange „Freundschaft“ als amicitia ein hoher Wert; diese „Freundschaften“ sollen sich auch oft bezahlt machen: sie sind ein geradezu klassischer Ursprung von Korruption.
Frauen haben in diesen Verbindungen an sich nichts verloren; allenfalls werden sie bei manchen Anlässen als Gäste geduldet.
Zurück zur Cornell
An der Cornell ist eine Frau in ein Verbindungslokal und damit in eine Gruppenvergewaltigung geraten. Das überrascht mich nicht. Es ist auch nicht überraschend, dass sich die Uni bei der Aufklärung nicht gerade anstrengt. Womöglich sind in der Uni-Verwaltung auch „Alte Herren“ aus der besagten Verbindung involviert. Und es geht ja immerhin um Söhne aus „besseren“ Kreisen, die sich 70.000 $ Studiengebühr leisten können. Da breitet man über eine Vergewaltigung lieber den Mantel des Schweigens aus.
