michael bürkle

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Michael Bürkle

Ein neues Gleichgewicht …

… des Schreckens

Das Gleichgewicht des Schreckens: das war im späten 20. Jahrhundert unsere Versicherung der Welt gegen ihre Zerstörung. Es bestand darin, dass es zwei Großmächte gab – die US und die SU, also die USA und die Sowjetunion, die beide bis an die Zähne mit Atomwaffen bewaffnet waren und die beide die gesamte Menschheit zerstören konnten, insbesondere den jeweils anderen. Darum passierte „nichts“: naja, kleine Kriege gab es zuhauf, mehr als genug Menschen kamen ums Leben. Im Rahmen der sog. Kubakrise schrammte die Menschheit 1962 knapp an ihrer Vernichtung vorbei: aber eben vorbei.

heute: eine neue Situation

Heute wiederholt sich manches – und manches ist ganz anders. Wir haben die beiden Großmächte immer noch: die USA und Russland, das sich gerne zur „alten“ Größe der Sowjetunion aufmotzen möchte: aber da fehlen mittlerweise das Baltikum, die Ukraine, Polen, die Tschechoslowakei und und und. Trotzdem: Russland demonstriert seine immer noch vorhandene Macht derzeit in der Ukraine. Aber da sieht man auch die Grenzen!

Aber es sind neue Großmächte dazu gekommen. Da ist mittlerweile die Volksrepublik China, sowohl in ihrem kaufmännischen „Talent“ als auch in ihrer Bewaffnung eine Großmacht. Da ist die EU: eine Großmacht in der Theorie: ein gigantischer Markt, aber noch relativ unkoordiniert in ihrer Bewaffnung. (M.E. ist es vor allem ein Koordinationsproblem, Soldat:innen und Waffen gäbe es genug, sogar Atomwaffen; die EU hätte – z.B. mit Kanada gemeinsam – das Potenzial einer Weltmacht.) Da ist Indien, mittlerweile der menschenreichste Staat der Welt, eine riesige Ökonomie, die mittlerweile auf moderne Technologie statt auf den Verbrennungsmotor setzt.

Ja, unter 4 oder 5 „Playern“ ist ein „Gleichgewicht“ wesentlich schwieriger herzustellen als unter zweien. Das ist von vornherein labiler. Das ist im Vergleich zu davor geradezu unübersichtlich.

heute: ein neues Gleichgewicht

Innerhalb der 5er-Bande der neuen Weltherrschaft gibt es die USA und Russland. Beide führen aktiv Krieg: die einen seit über 4 (oder 12) Jahren gegen die Ukraine, die anderen seit Monaten gegen den Iran, auch gegen Venezuela, auch gegen Kuba. Und beide stecken fest. Die russischen Truppen in der Ukraine haben sich mehr oder minder fest-„gefahren“: die Ukraine hält mit Drohnen recht geschickt dagegen und greift mit diesen Drohnen mitten in Russland an. Der große Truppenaufmarsch am 9. Mai in Moskau ist praktisch ins Wasser gefallen. Und an den Einsatz der alten Atomwaffen denkt offenbar in Moskau kaum jemand. Und die USA haben im Krieg gegen den Iran ihr Waffenlager gewaltig reduziert, weil sie es ohne Sinn und Ziel verpulvert haben. Angesehene Senatoren fürchten bereits um die Verteidigungsfähigkeit der USA. „Die Munitions- und Raketenvorräte des US-Militärs sind nach Worten eines US-Senators stark aufgezehrt.“ Es gehen aus: „Raketen der Typen Tomahawk, ATACMS, SM-3 oder für Patriots“; und: „Es werde «Jahre» dauern, um diese Bestände wieder aufzubauen“.

Ja: so treffen sich die USA und die Ex-Sowjetunion auf einem niedrigeren „Gleichgewicht des Schreckens“ wieder. Gratulation an die Ukraine und den Iran: sie haben zur Entwaffnung Russlands und der USA Wesentliches beigetragen: vielen Dank! Die Dummheit, die dazu nötig war, war sowohl in Russland wie in den USA vorhanden.

Komplexere Verhältnisse

Festzustellen ist freilich, dass wir nicht in einem Gleichgewicht zwischen US und SU gelandet sind, sondern in deutlich komplexeren Verhältnissen. Die machen das alles nicht leichter.


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