Sie polarisiert. Warum?
Vor Kurzem habe ich im Standard ein sehr interessantes Interview gelesen: Warum polarisiert die Rettung der Welt derart? Standard-Journalist Benedikt Narodoslawsky hat den Ökonomen Michael Soder interviewt; Herr Soder arbeitet in der Abteilung Wirtschaftspolitik der Arbeiterkammer Wien, er lehrt an der WU und an der FH des bfi Wien und hat das Buch „Hitzige Debatten“ über die Verhärtung der Klimadiskussion geschrieben.
Zustimmung „wahnsinnig hoch“
Soder kommt gleich zur Sache. Sein erstes Statement lautet:
Die Zustimmungsraten für ambitionierteren Klimaschutz sind in der Bevölkerung wahnsinnig hoch. Aber es spießt sich an den konkreten Maßnahmen, die die Menschen unterschiedlich stark treffen. Veränderungen können Ängste auslösen. Wenn sie durch politische Erzählungen weiter zugespitzt werden, kann das zu Polarisierung und einer Blockadehaltung führen, die Maßnahmen verzögert oder verhindert.
Und danach spricht Soder ein Grundproblem der Klimapolitik an:
Die große Herausforderung ist, dass bei klimapolitischen Maßnahmen Ursache und Wirkung weit auseinanderliegen. Wenn ein kleines Kind auf eine heiße Herdplatte greift, lernt es sofort: „Hui, das ist heiß! Da greife ich nicht mehr hin.“ Die positiven Effekte einer Klimaschutzmaßnahme sehe ich hingegen erst weit in der Zukunft. Aus dem können wir ganz schwer lernen. Denn der sogenannte Gegenwartsfokus und die Verlust-Aversion sind psychologisch ganz tief in uns verankert.
Ja: wir sehen die positiven Folgen von Klimapolitik erst verzögert, womöglich erst in Jahrzehnten, wir spüren die Folgen der notwendigen Veränderungen aber unter Umständen sehr schnell. Unter diesen Vorzeichen ist es eh schon fast ein Wunder, dass Klimaschutz an sich eine sehr hohe Zustimmung in der Bevölkerung genießt.
Im Interview geht es dann um viel Psychologie, die in der Klimapolitik eine Rolle spielt und wie die Politik mit der Gemengelage umgehen sollte. Es geht um die sog. „Technologieoffenheit“ – wann sie sinnvoll ist und wann nicht; es geht um Mehrheitsfähigkeit und Veränderungsbereitschaft.
Ich kann den Text sehr empfehlen.
Die Erkenntnisse sind nicht revolutionär oder völlig neu, aber sie sind sehr übersichtlich und verständlich zusammengefasst.

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