michael bürkle

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Michael Bürkle

Standard interviewt Hattmannsdorfer

Wie man an Fragen vorbeiredet

Der Standard (in Form von András Szigetvari) hat Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer interviewt: „Hattmannsdorfer: «Ich bin dagegen, Leuten im Mühlviertel ihren Verbrenner zu verbieten»“. Das Interview enthält gegen Schluss folgende vielsagende Ausschnitte:

STANDARD: Hätte die ÖVP die Elektrifizierung früher gepusht und nicht gebremst, wären wir weiter.

Hattmannsdorfer: Ich bin aus Oberösterreich und muss immer wieder den Kopf schütteln über die Sicht des Lebens, die man vor allem in Wien hat, wo man glaubt, man kann überall in Österreich mit der U-Bahn hinfahren.

STANDARD: Moment, ich rede von E-Autos.

Hattmannsdorfer: Es kann sich aber nicht jede Familie schnell eben mal ein Elektroauto kaufen. Man muss die Lebensrealitäten der Menschen anerkennen und nicht aus der Wiener-Bubble heraus moralisieren.

STANDARD: Der Elektro-Polo kostet jetzt etwas über 20.000 Euro. Es gibt inzwischen jede Menge Gebrauchtwagen. Wie tief sollen die Preise noch sinken, bevor die ÖVP E-Mobilität nicht als Wiener Bubble abtut?

Hattmannsdorfer: Die Leute werden weiter auf Autos mit Verbrennermotor angewiesen sein, weil sich nicht jeder den Polo leisten kann. Ich bin ein Fan von Angebot und Nachfrage auf einem freien Markt. Wenn ich mir die Zulassungszahlen ansehe, geht es ohnehin in die richtige Richtung, der Anteil der E-Autos nimmt zu. Aber ich bin kein Fan von Verboten, davon, dass man jetzt Leuten im Mühlviertel ihren Verbrenner verbietet.

STANDARD: Da schließt sich der Kreis: Verbote will niemand. Dann war die Idee, die Energiewende herbeizufördern. Das kann sich Österreich nicht mehr leisten. Bleiben die Preissignale. Aber die hebeln Sie mit der Spritpreisbremse aus.

*

Ich frage mich …

Ich frage mich da: wovon spricht dieser Mensch? Ich kenne niemanden, der glaubt, man könne überall mit der U-Bahn hinfahren. Ich bin aber dafür, (individuell) mehr Öffis zu verwenden statt private Verbrenner-PKWs und ich bin außerdem dafür, (politisch) das Angebot des Öffentlichen Verkehrs kontinuierlich auszubauen. Überall in Österreich, u.a. in Tirol und auch im Mühlviertel.

Es geht auch nicht um die „Wiener Bubble“. Was H. damit meint, bleibt schleierhaft. Menschen, die ohne Verbrennungsmotor auskommen, gibt es überall, nicht nur in Wien, nicht nur in einer „Bubble“. Vielleicht ist H. in einer ÖVP-Wirtschafts-Bubble, die diese Erkenntnis von ihm fernhält. Kommen Sie raus aus Ihrer Bubble, Herr Minister!

H. sei kein „Fan von Verboten“. Ich eh auch nicht. Aber manchmal sind Verbote einfach notwendig. Oder nicht, Herr H.? Wie ist das bei Diebstahl, Betrug, Raub und Mord? Wie ist das bei der Verschwendung wichtiger Ressourcen „zum Spaß“? Soll sich das alles „selbst regeln“, durch „Angebot und Nachfrage“? Da ist der Wirtschaftsminister ein „Fan“ davon. Schön, wenn unsere Minister noch irgendwo jenseits aller Vernunft „Fan“ sein können. „Fan“ könnte er in OÖ z.B. vom LASK sein. Aber klar: wenn es keine Nachfrage nach X gibt, wird auch das Angebot von X zurückgehen. Da kann man schon „Fan“ sein. (Man könnte auch durch massive Werbekampagnen eine Nachfrage nach X erzeugen, damit man ein Angebot verkaufen kann.)

Man solle den Menschen im Mühlviertel nicht „ihren“ Verbrenner verbieten, meint H. Erstens will das eh niemand. Aber glaubt er zweitens wirklich, dass Mühlviertler Menschen in „ihre“ Verbrennerautos (so was wie) verliebt sind? Vielleicht hält H. seine oberösterreichischen Wähler:innen für dumm, obwohl sie es gar nicht sind?

Wie man nur so konsequent an den Fragen um die E-Mobilität vorbeireden kann. Sagenhaft!


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