Ms. Pike ist nur ein Anlass
In den USA ist eine Frau zum Tod verurteilt worden. Entgegen aller Bemühungen ihrer Anwälte wurde sie zu einer Art „klinisch-sauberen“ Tötung durch Giftspritzen verdonnert. Beim Legen der Leitungen gab es offenbar einige Probleme: einige Stiche waren notwendig – und halfen letztlich nicht, denn Ms. Pike hat das „saubere“ Todesurteil überlebt. Sie ist jetzt in einem Krankenhaus. Und muss über das Geschehene schier verzweifeln.
Aber das kann nur ein Anlass sein, um in einem Teil der zivilisierten Welt einen Akt der Unzivilisiertheit endlich abzuschaffen. Kein Staat kann das Recht haben, Todesurteile auszusprechen und zu vollziehen. Das ist archaisch. Darüber müssten wir als Menschheit längst hinweg sein.
Die Situation weltweit
amnesty international dokumentiert sie gut.
Die Länder, in denen die meisten Hinrichtungen vollstreckt wurden, waren China (1000+), Iran (2.159+), Saudi-Arabien (356+), Jemen (51+) und USA (47) – in dieser Reihenfolge.
Für China und den Iran ist eine genaue Zahl gar nicht bekannt: Hinrichtungen verlieren sich dort in der Statistik. Bei Saudi-Arabien und dem Jemen ist das ähnlich, aber das Problem ist in Zahlen kleiner. Die USA befinden sich da offensichtlich in schlechter Gesellschaft – aber wenigstens geht dort keine Hinrichtung statistisch verloren.
Auf dem amerikanischen Doppelkontinent sind die USA das einzige Land, das noch archaisch staatlich tötet; zu befürchten ist, dass Lateinamerika mit den neuen Trump-freundlichen Regimen da „aufholt“ – bzw. wieder zurückfällt.
Der asiatisch-pazifische Raum ist das Problemgebiet schlechthin: „nach wie vor die Region mit der höchsten Zahl an Hinrichtungen weltweit“. Aus Europa und Zentralasien sind 2025 keine Hinrichtungen (!) bekannt; im nordafrikanisch-arabischen Raum sieht es dagegen eher düster aus. Afrika südlich der Sahara entwickelt sich an sich nicht schlecht: es gibt zwar einige Todesurteile, aber relativ wenig Vollstreckungen.
Die Todesstrafe ist an sich ungerecht
Gerichtsurteile sind menschliche Produkte; alle können fehlerhaft sein. Aber Fehler kosten hier Leben. Immer wieder werden Urteile lange nach ihrer Vollstreckung als fehlerhaft erkannt.
In aller Regel spiegeln sich soziale Ungerechtigkeiten in den Todesstrafen-Listen wider. Die US-Statistik weist z.B. deutlich mehr „farbige“ Personen in den Todeszellen nach als „weiße“: schon das Recht und der Zugang zu ihm sind ungerecht verteilt, ebenso die Strafen.
Wir lernen aus dem Fall Pike: es gibt keine „saubere“ Hinrichtung, auch nicht durch medizinisch geschultes Personal, das eigentlich durch einen hippokratischen Eid zum Schutz des Lebens verpflichtet wäre.
Was statt dessen?
Wer eine Straftat verübt, kommt in ein Gefängnis, damit es keine Wiederholung geben kann, keine Vorbildwirkung und damit andere Menschen geschützt werden. Im Gefängnis sollen Straftäter:innen mit ihren Fähigkeiten einer geregelten Beschäftigung nachgehen, damit sie durch ihre Arbeit der Gesellschaft einen Nutzen erweisen und etwas vom Schaden, den sie verursacht haben, abarbeiten können. Niemand wird aber durch den Staat umgebracht.
So stelle ich mir ein wesentliches Element einer Gesellschaft des 21. Jahrhunderts vor.
