Die österreichische Diskussion zur Wehrpflicht
Österreich führt eine Diskussion zur Wehrpflicht, hauptsächlich zu einer Verlängerung. Daneben auch zur Dauer des Ersatzdienstes usw. Dazu wurde eine „Wehrdienstkommission 2025“ eingerichtet, die aus 10 stimmberechtigten Mitgliedern aus dem Bereich der Landesverteidigung bzw. des Zivilschutzes bestand und aus 13 (bzw. 14) nicht-stimmberechtigten Mitgliedern aus der Zivilgesellschaft. Diese Kommission erstellte in 13 Sitzungen einen Bericht, den ich hier verlinke. Er ist ca. 60 Seiten lang, mit Anhängen ca. 90.
Die Kommission war deutlich männlich dominiert besetzt: von den 10 Stimmberechtigten war eine weiblich, von den 13 (14) nicht-stimmberechtigten waren es 2 (3). Konsequenterweise und „zur besseren Lesbarkeit“ verzichtete die Kommission auf Gendern und verwendet das generische Maskulinum (S. 1).
Im Rahmen der Diskussion im Vorfeld hatte ÖVP-Obmann Bundeskanzler Stocker am 30.1. den Vorschlag einer Volksbefragung eingebracht, der offenbar mit den anderen beiden Regierungsparteien nicht akkordiert war. Dieser Vorschlag findet insgesamt wenig Zustimmung und scheint mittlerweile vom Tisch zu sein.
Vorgestern, am 17.2.2026, war der Präsident der Österreichischen Offziersgesellschaft (ÖOG) Brigadier Erich Cibulka dazu in der Zeit im Bild 2 des ORF bei Armin Wolf. Er erläuterte aus der Sicht eines Militärs den Stand der Dinge.
Auch ich habe gelegentlich über den Diskussionsverlauf berichtet; ich habe auch mehrfach Vorstellungen zum Wehrdienst geäußert; zuletzt als „Die Wehrpflicht usw.“ vom 17.2. Meine Vorschläge gehen von einer Gesamtzeit eines Diensts an der Gemeinschaft von 8 Monaten aus, aber ich sehe diese Dauer als skalierbar.
Cibulka in der ZiB 2
In der ZiB 2 am 17.2. nahm Brigadier Cibulka zu den Fragen von Armin Wolf Stellung. Er unterstützte den Bericht der Wehrdienstkommission und sah an sich genügend Einigkeit (einen „breiten Konsens“) in der Sache. Er plädierte für einen „Schulterschluss der Vernunft“ aller Parteien. Eine Notwendigkeit zu einer Volksbefragung sah er nicht; er machte auf den Aspekt des Zeitverlusts durch so eine Befragung aufmerksam.
Außerdem sah Herr Cibulka eine Gefahr: „In so einer Zeitperiode können auch mögliche Agitatoren, Trolle, Meinungsmacher in Österreich wirken“ und das sei „eine Gefahr, die oftmals angesprochen wird“.
Ich sehe den „breiten Konsens“ noch nicht wirklich, bin aber mit Herrn Cibulka einer Meinung, dass eine Volksbefragung nicht wirklich notwendig oder geeignet ist. Für eine Volksbefragung müsste man sich auf 2 Alternativen oder eine ja-nein-Frage einigen. Davon sind wir noch weit entfernt.
Aber wen meint Herr Cibulka mit „Agitatoren, Trolle, Meinungsmacher“? Gehöre da auch ich dazu? Ist die Diskussion einer Wehrdienstreform alleine eine Sache politischer und militärischer Funktionär:innen? Sind Bürger:innen, die sich da äußern, „Trolle, Agitatoren, Meinungsmacher“?
Das sehe ich gar nicht so; ich sehe mich auch nicht als „Troll“. (Zur Erklärung: ein „Troll“ ist in der Netzkultur „jemand, der im Internet vorsätzlich einen Flame-Krieg entfachen oder Menschen einfach nur ärgern will.“) Ich bin in der Sache interessiert und bringe meine Lebenserfahrung in die Diskussion ein. Das ist legitim; das kann jeder – und vor allem auch jede!
Die Störung
Ich verstehe schon, dass aus der Sicht eines Offiziers (oder eines Politikers) Meinungen und Argumente „von außen“ bisweilen stören – aber das muss man aushalten. Das gehört dazu. Und irgendwie spiegelt sich diese Furcht vor der „Störung von außen“ auch in der Wehrdienstkommission wider: stimmberechtigt waren dort praktisch nur Männer aus dem Bereich des Verteidigungsministeriums. Das ist m.E. ein Fehler.

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