… ohne dass er es weiß & will
US-Präsident Trump 2.0 hat die US-Solar- und -Wind-Industrie nachhaltig behindert, aber seine „Militärpolitik“ – kann man das überhaupt so nennen? – treibt auch gute Blüten.
Der Präsident hat mit dem Iran-Krieg und schon davor mit einer völlig erratischen Zoll- und Preis-Politik dem globalen Handel mit fossilen Treibstoffen (Öl, Gas, auch Kohle) einige Schocks hintereinander versetzt. Die Preise für fossile Treibstoffe sind fast unkalklierbar geworden – was aber die globale Energiewende, die Transformation von fossilen zu nachhaltigen Energien „befeuert“ hat. Das stellt jedenfalls der europäische Akademienverbund EASAC fest: „es scheint, dass Europa von einer Energiekrise zur nächsten taumelt“, meint Neven Duic, der Kovorsitzende des EASAC-Energieprogramms.
Und noch besser:
Patrice Geoffron, Direktor des Zentrums für Geopolitik, Energie und Rohstoffwirtschaft an der Pariser Universität Dauphine, schrieb Anfang April in „Le Monde“, dass Trump – unabsichtlich, aber signifikant – einen Beitrag zur Energiewende leiste, indem er „die Märkte für fossile Brennstoffe strukturell unberechenbar macht“.
[Also: wenn du Märkte stören willst, engagiere einen Chaoten!]
Auch andere Experten stellen Ähnliches fest. Der Generalsekretär der Internationalen Energie-Agentur IEA, meint, „die Energiekrise werde etwa den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen“ – allerdings auch Versuche, wieder auf Kernenergie zurückzugreifen. (Über diesen Unsinn habe ich gerade vor Kurzem schon geschrieben.)
Asien sei tendenziell noch stärker betroffen. In einigen Ländern waren Treibstoff-Rationierungen schon vorgekommen; in Südkorea soll „die Produktion von Solar- und Windenergie bis 2030 fast verdreifacht“ werden.
„Trump leistet einen Beitrag zur Energiewende“ – zwar „unabsichtlich“, aber „signifikant“. Das muss man sich auf der Zuge zergehen lassen. Das erinnert mich an Goethes Faust. In ihm ist Mephisto (der Teufel!) auch „eine Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“.
Trump 2.0 als Mephisto?
Hat Trump 2.0 mephistophelische Anlagen oder Anwandlungen? Will er „das Böse“ und schafft „das Gute“?
Gelegentlich offenbar schon: Trump 2.0 „befeuert“ Investititionen in nachhaltige Energie: damit schafft er Gutes. Aber US-Präsident Trump 2.0 ist kein Teufel, sondern ein Mensch allzu simplen Zuschnitts. Was für viele „das Böse“ ist, ist für Trump 2.0 bloß normal: die Ausbeutung von Natur und Menschen etwa; das herrschaftliche Auftreten der einen (meist alte weiße Männer) vs. das Dienen der anderen. Wo der Goethe’sche Mephisto ein Wesen mit ausgefeiltem Intellekt ist, das sich als der qualitätssichernde Beitrag der menschlichen Entwicklung begreift, findet man bei Trump 2.0 bloß den Instinkt nach Geld. Mephisto „will“ das Böse und schafft „das Gute“; Trump 2.0 will Geld; Gutes ist ihm egal, es passiert gelegentlich.
Nein, für einen Mephisto hat sich Trump 2.0 noch nicht qualifiziert.
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Heute, wieder ohne dass die USA das wollen, hat der Iran die Straße von Hormuz für ca. zweie Wochen wieder freigegeben; nur mehr die USA blockieren. Alle Schiffe, die passieren wollen, brauchen offenbar eine Erlaubnis der US-Marine.
Geht Trump 2.0 die „Förderung“ nachhaltiger Energie durch das Chaos der fossilen schon zu weit?
