michael bürkle

texte … zu bildung, politik und ähnlichem und die einladung zur diskussion …

Michael Bürkle

Wehrdienst für wen und wie lange?

Eine Diskussion …

Wir haben in Österreich derzeit eine etwas verwirrende Diskussion um den Wehrdienst. Soll man ihn verlängern? Soll man ihn anders strukturieren? 6 Monate oder 8 Monate oder noch Waffenübungen und vielleicht auch für Frauen … Und was bedeutet das für den Zivildienst?

Heute kommt auf orf.at die ehemalige Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP) zu Wort. Sie ist für eine Verlängerung des Wehrdiensts (ohne in Details zu gehen) und auf die Frage, ob der Wehrdienst auch für Frauen sein sollte, kommt ein klares „Ja“.

Im Detail stimme ich Frau Plassnik dazu; ich habe bereits am 18. Mai zu solchen Fragen Stellung bezogen, im Beitrag „Sozialdienst für alle? Ja.“ Ich denke aber, dass es da nicht nur um einen Wehrdienst gehen kann – das ist zu eng gedacht, sondern auch um das, was wir heute als Zivildienst kennen und das auch ein Sozialdienst – analog zum „freiwilligen sozialen Jahr“ – sein könnte. Diese Dienste sind alle gleichermaßen Dienste an der Gemeinschaft und sollten alle gleich lang sein und für beide bzw. alle Geschlechter offen sein. Frauen im Heer und Männer z.B. in der Pflege können wichtige Aspekte einbringen.

Fragen der Tauglichkeit stellen sich in allen Diensten, aber die Antworten sind unter Umständen recht verschieden. Als gehbehinderter 18-jähriger war ich für den Wehrdienst objektiv untauglich und Zivildienst hat es damals noch keinen gegeben; in manchen Bereichen von Zivil- oder Sozialdienst hätte ich für mich aber durchaus sinnvolle Einsatzmöglichkeiten gesehen.

Länge und Struktur

Mir scheint für den Dienst an der Gemeinschaft eine Gesamtlänge von 8 Monaten ausreichend zu sein. Beim Wehrdienst kann ich mir gut vorstellen, das in einen „Grundwehrdienst“ von 6 Monaten (oder kürzer) und „Waffenübungen“ von 60 Tagen (oder entsprechend mehr) zu teilen. In 8 Monaten kann da in einer Kaserne sehr viel Leerlauf entstehen: so höre ich das immer wieder. Und ich denke, Soldat:innen brauchen so etwas wie Auffrischung ihrer Kenntnisse und Fortbildung.

Bei Zivil- und Sozialdienst ist für mich der Aspekt der Fortbildung nachrangig; mir geht es da eher um eine vernünftige Einarbeitung. Ich würde da die 8 Monate eher am Stück empfehlen. Aber das kann je nach Tätigkeitsbereich auch anders aussehen.


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Kommentare

3 Kommentare zu „Wehrdienst für wen und wie lange?“

  1. […] alle? Ja. vom 18.5.25 Mangelberufung Zivildiener vom 9.7.25 Wehrdienst verlängern? vom 20.1.26 Wehrdienst für wen und wie lange? vom […]

  2. Avatar von Whisker
    Whisker

    „Beim Wehrdienst kann ich mir gut vorstellen, das in einen „Grundwehrdienst“ von 6 Monaten (oder kürzer) und „Waffenübungen“ von 60 Tagen (oder entsprechend mehr) zu teilen.“

    Ganz direkt gesagt:
    Mit einem Wehrdienst von weniger als sechs Monaten würden österreichische Soldaten im Kriegseinsatz dasselbe Schicksal erleiden wie derzeit die russischen Soldaten in der Ukraine.

    Weil wie man z.B. ein Sturmgewehr hält und abfeuert, ohne sich dabei selbst zu verletzen – das derbringst jemandem in ein paar Tagen bei, aaaaaaber: der größte Teil des Wehrdienstes geht aus guten Gründen für die Zeit NACH der Grundausbildung drauf.
    Denn erstens wird erst dann alles, was man in der Grundausbildung lernt, dann so geübt, dass erlerntes Wissen und Fähigkeiten auch wirklich „sitzen“; und zweitens kommt da dann noch das essentielle Trainieren des „Teamwork“ dazu, also die Zusammenarbeit in der eigenen Gruppe, dem eigenen Zug usw.
    Und das kann man eben nicht im Lehrsaal lerne, sondern nur durch praktisches üben, üben und nochmals üben.

    (In meiner aktiven Dienstzeit als Unteroffizier in den 90ern hieß das Konzept dazu „Anlernstufe – Festigungsstufe – Anwendungsstufe“, und die „Anwendungsstufe“ begann nach dem 6. Ausbildungsmonat. D.h. erst ab dem Zeitpunkt galten GWDs überhaupt als „feldverwendungsfähig“.)

    D.h. wenn man Soldaten nicht nur als billiges „Verbrauchsmaterial“ sieht wie Russland in der Ukraine, dann sind sechs Monate die absolute Untergrenze an notwendiger Ausbildungszeit, die gerade noch so vertretbar ist. Will man hingegen gut ausgebildete Soldaten, die auch eine reele Überlebenschance haben, dann wären mindestens acht Monate am Stück notwendig.
    Und noch besser wäre ein Jahr, das man eventuell auf 10+2 Monate aufteilt; weil dann hat man halt wirklich vernünftig ausgebildete Soldaten, die auch tatsächlich alles können und „nicht nur wissen, wies geht“.

    Und ja, die US-Marines z.B. bilden Rekruten in nur 13 Wochen bis zur Feldverwendungsfähigkeit aus – aber deren Grundausbildung brauchst in Österreich nicht einmal vorzuschlagen, damit erklärt dich jeder für deppert:

    13 Wochen lang durchgehend Sechs-Tage-Woche, Wecken um 04:30, Dienstbeginn um 06:00, Nachtruhe um 21:00, am Sonntag dürfen die Rekruten EINE Stunde länger schlafen.
    Dazwischen ist der komplette Tag absolut rigide und mit extrem knappen Zeitvorgaben durchgetaktet, sogar Essens- und WC-Pausen (ja, auch der Sonntag – da gibts zwar u.a. eine Stunde am Vormittag „frei“, aber nur für „religiöse Unterweisungen“, und den restlichen Tag ist keine Ausbildung, sondern „gemütlichere“ Tätigkeiten wie Reinigungsdienst etc).
    Und dann gibts da noch den berüchtigten Tonfall der Drill instructors des USMC – damit hättest beim Heer als Ausbildner in Nullkommanix sämtliche Disziplinarvorgesetzten und dazu die Beschwerdekommission des Verteidigungsmysteriums im G’nack sitzen. Und zwar zu Recht.

    1. Avatar von michael bürkle
      michael bürkle

      es geht m.e. nicht nur um militärtechnisches, sondern um die verankerung eines heeres in der gesellschaft. da muss „die gesellschaft“ mitreden und mitbestimmen (können).
      „feldverwendungsfähig“? verwenden tut man ein werkzeug. soldat:innen sind m.e. nicht nur werkzeuge.
      die schweiz hat 4 monate grundwehrdienst und 10 x 14 tage milizübungen. in die richtung würde ich gehen. ich denke, dass es bei waffen (im weitesten sinn) immer wieder viel nachzulernen gilt. „immer wieder“ heißt auch: öfters.

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