Wie weit wird Trump 2.0 gehen wollen?
Der Konflikt um die Zuordnung Grönlands – es gehört zu Dänemark, aber Trump 2.0 „will es“ – spitzt sich zu. Ein „Gespräch“ zwischen dem dänischen Außenminister, der grönländischen Außenministerin, dem US-Außenminister und dem US-Vizepräsidenten ist offenbar weitgehend ergebnislos verlaufen. Das einzige Ergebnis scheint zu sein: „we agree to disagree“. Eventuell ist man sich auch einig, dass es weitere Gespräche benötigt. (Bezeichnend finde ich übrigens, dass hier in einem NATO-internen Gespräch vor allem Außenpolitiker:innen sprechen. Man „fremdelt“ schon, und das mit Recht!)
Es stellt sich immer mehr heraus, dass der US-Präsident Trump 2.0 völlig falsch informiert ist. Ihm ist eingeflüstert worden, dass Russland und China Grönland umzingelt haben und es erobern wollen. Und der glaubt das oder tut so als ob; obwohl nichts dergleichen wahr ist, aber Wahrheit ist unter Trump 2.0 offensichtlich keine politische Kategorie mehr. (Psychologisierende Deutungen der Situation im Hirn des US-Präsidenten nehmen freilich an, dass er Grönland „will“, weil sein Ego Grönland „braucht“. Grönland ist dort fast so groß wie Afrika.)
Gleichzeitig …
Gleichzeitig schicken einige EU-Länder – Frankreich, Deutschland, Schweden – auf Einladung Grönlands Soldat:innen nach Grönland. Nur sehr wenige; sie sind kaum als „Truppen“ zu bezeichnen, aber sie könnten mit US-GIs zusammenstoßen. Würde NATO-intern geschossen werden? So weit kann es durchaus kommen. Innerhalb der USA schießen ja auch bewaffnete staatliche Einheiten auf friedliche US-Bürger:innen. (Es kann freilich auch sein, dass Trump 2.0 im letzten Moment noch eine Art „Kurve kratzt“.)
NATO gespalten
Ich sehe das Gespräch auf außenpolitischer Ebene als wegweisend: es nimmt eine Entwicklung vorweg, die ich kommen sehe und eigentlich bereits als gegeben betrachte: die Spaltung der NATO. Wir brauchen ein europäisches Verteidigungssystem – ich habe es bereits „EDO“ genannt für „European Defence Organisation“. Ohne Beteiligung der USA, aber vielleicht mit Kanada und neutralen europäischen Staaten. Die französischen, deutschen und schwedischen Soldat:innen in Grönland sind Vorboten dieser EDO.
Ein europäisches Verteidigungssystem würde die liberalen Demokratien (zunächst) Europas in einem Beistandspakt schützen; es würde auf Angriffskapazitäten weitestgehend verzichten: „angreifen“ sollte Europa nur mit Demokratie & Diplomatie & Ökonomie & Ökologie. In dieser Kombination hätte Europa ein globales Alleinstellungsmerkmal, „a unique selling proposition“.

Schreibe einen Kommentar