Veröffentlicht in allgemein, Bildung

Nur ein bisschen „Buddhismus“

Vor Kurzem beim Physiotherapeuten: an der Wand ein quasi-ostasiatisches Spruchband mit den Versen:

In the end what matters most is
How well did you live
How well did you love
How well did you learn to let go

Gekauft auf einem Markt auf den Malediven, laut Therapeut.

Einiges davon hat mich interessiert (z.B. die Kombination aus live, love und let go), manches irritiert (well passt halbwegs zu live, ganz gut zu learn, wenig zu love, find ich). Natürlich war kein Autor angegeben, und also hab ich mich zuhause hingesetzt und versucht, den rauszukriegen. Buddha? Lao-tse? Konfuzius?

Eine erste Recherche ergibt als Suchergebnis fakebuddhaquotes.com. Also: falscher, gefälschter Buddhismus. Von Buddha ist das nicht. Und bei fakebuddhaquotes ist auch der Text etwas anders:

In the end these things matter most:
How well did you love?
How fully did you live?
How deeply did you let go?

Aber es gibt einen Hinweis auf Jack Kornfield, einen US-amerikanischen Buddhisten und Psychologen.

Nimmt man Kornfield in die Suche auf, ergibt sich ein konkretes Ergebnis. Auf einer Seite goodreads.com gibt es den Text …

In the end
these things matter most:
How well did you love?
How fully did you live?
How deeply did you let go?

Also nah am Spruchband in der physiotherapeutischen Praxis. Aber halt nicht identisch. Und goodreads.com hat noch eine zweite Variante parat:

In the end, just three things matter:
How well we have lived
How well we have loved
How well we have learned to let go

Also: da macht offensichtlich jeder seine Version selbst. Kornfield hat in seinem „Buddha’s Little Instruction Book“ eine Variante vorgelegt und man arbeitet damit. Ein Originalzitat gibt es praktisch nicht (mehr). Der Text kommt mit we und mit you, in past tense mit did und in present perfect mit have, es gibt ihn ausschließend mit just und abstufend mit most, es gibt ihn mit gleichbleibendem well und differenzierenden well, full, deeply. let go mit learn und ohne. Mit Fragen und als Aussagen. Auch die Reihenfolge wechselt.

Ich  persönlich fänd ihn mit we netter als mit you, mit present perfect, das eine Beziehung zum Jetzt transportiert, exakter als mit past tense, mit differenzierenden Adjektiven besser als mit simplem well. Und nachdem man am Ende auf jeden Fall loslässt, loslassen muss, kommt’s wohl nicht so sehr aufs loslassen selbst an, sondern ob man es dann kann, also gelernt hat.

Damit krieg ich meine eigene Variante:

In the end these things matter most:
How well we have lived.
How deeply we have loved.
How fully we have learned to let go.

Fake Buddhism. Oder „My Buddhism“. Naja: die haben keinen Papst als letzte Autorität. Vorteil oder Nachteil?

(Vielleicht ist es aber auch nicht der Buddhismus, der die Varianten provoziert, sondern es sind die USA, in denen man „freier“ mit Texten umgeht. Oder es ist der spezifische US-Buddhismus, dem Originalzitate relativ wurscht sind.)

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2 Comments
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m.b.
m.b.
2 Jahre alt

eine deutsche version (vorschlag):

am ende kommt es darauf an
wie gut wir gelebt haben
wie innig wir geliebt haben
wie sehr wir gelernt haben loszulassen

tsha li
tsha li
1 Jahr alt

mich spricht im augenblick die letzte zeile am meisten an –
bin grad am üben……. ; )