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Die Frustmaschine

In einem fernen Land, hinter den 7 Bergen, fand eine Parteiversammlung statt. Man wählte die Regionalliste für die Regionalwahl, jedenfalls die ersten 10 Plätze.

Laut Presse waren etwa 200 „Delegierte“ anwesend. Das stimmte natürlich nicht. Es waren zu Beginn der Versammlung etwa 200 stimmberechtigte Mitglieder anwesend, aber sie waren nicht „delegiert“, sie vertraten niemanden außer sich selbst.

13 KandidatInnen hatten sich im Vorfeld gemeldet: 5 Frauen, 8 Männer. Letztlich traten 15 an: 2 Männer entschlossen sich zu Spontankandidaturen.

Wer ging mit Frust heim?

Kandidatin Federica I. war nicht wirklich glücklich. Sie gewann zwar die Wahl um Platz 1, aber sie bekam nicht einmal 80% gegen den Kandidaten Viktor C., der sich als politischer nobody zu einer Spontankandidatur entschlossen hatte. Kein wirklich gutes Ergebnis für 5 Jahre harte Arbeit.

Kandidat Viktor C. wurde aber auch nicht glücklich. Er machte zwar stolze 20% in der Wahl um Platz 1. Die relativierten sich aber sehr schnell, denn um Platz 2 bekam er keine 7% mehr. V.C. verzichtete daraufhin auf weitere Kandidaturen und ging mit 2 Niederlagen heim. Und die 7% um Platz 2 warfen ein bezeichnendes Licht auf die 20% um Platz 1. Die waren offenbar nicht für ihn gewesen, sondern hauptsächlich gegen F.I.

Kandidat Manfred G. gewann um Platz 2. Im ersten Wahlgang! Aber nur mit gut 50%. Gegen 3 Kandidaten, die letztlich alle Wahlgänge verlieren würden. Wirklich glücklich konnte M.G. da nicht werden. Trotz 5 Jahre harter Arbeit.

Kandidat Dieter H. verlor um Platz 2. Er verlor dann auch um Platz 4. Daraufhin verzichtete er auf weitere Kandidaturen und ging mit 0:2 nach Hause.

Kandidat Isidor H. verlor um Platz 2, dann auch um Platz 4 und letztlich auch um Platz 8. Daraufhin verzichtete er auf weitere Kandidaturen und ging mit 0:3 nach Hause.

Kandidatin Franziska G. gewann ihre Wahl um Platz 3. Sie erzielte fast 90% der gültigen Stimmen, allerdings hatte sie keine Gegenkandidatin. Fast 90% gegen niemanden ist kein wirklicher Sieg. Wirklich glücklich war sie nicht.

Kandidat Kurt G. wurde ein Sieger. Er kam in die Stichwahl um Platz 4 und gewann diese. 1:0!

Kandidat Walter H. verlor um Platz 4, dann auch noch um Platz 6. Daraufhin verzichtete er auf weitere Kandidaturen und ging mit 0:2 nach Hause. Und das, obwohl er Vizepräsident des Regionalparlaments gewesen war. Kandidat W.H. nahm einen ziemlichen Frust mit.

Kandidat Moritz M. verlor ebenfalls um Platz 4, dann auch noch um Platz 6. Auch er verzichtete danach auf weitere Kandidaturen und ging mit 0:2 nach Hause. Aber gegenüber dem Frust von W.H. hielt sich seiner in Grenzen. Er war noch jung und hatte noch viele Abstimmungen vor sich.

Kandidat Hannes T. verlor um Platz 4 und dann um Platz 6. Aber er biss die Zähne zusammen und gewann letztlich um Platz 8. Immerhin: 1:2.

Kandidatin Jana S. war eine Siegerin. Sie gewann die Abstimmung um Platz 5. 1:0.

Kandidatin Gerda V. verlor die Abstimmung um Platz 5 und jene um Platz 7. Um Platz 6 trat sie nicht an, weil der „war ja für Männer“. Ebenso bei Platz 8. Die Wahl um Platz 9 gewann sie, allerdings war da keine Gegenkandidatin mehr vorhanden. Wirklich glücklich war sie mit dem 1:2 nicht.

Kandidat Anton C. war ein Sieger. Er gewann die Abstimmung um Platz 6. 1:0.

Kandidat Wunibald H. verlor die Wahl um Platz 6, dann jene um Platz 8. Er gewann letztlich die um Platz 10, allerdings war da kein Gegenkandidat mehr vorhanden. Wirklich glücklich war er mit 1:2 nicht, zumal er als Parteiobmann eigentlich eine führende Figur war. Eigentlich!

Kandidatin Sylvia N. war eine Siegerin. Sie gewann die Abstimmung um Platz 7. 1:0.

Insgesamt war kaum jemand wirklich glücklich. Nach und nach sammelte sich Frust. Der wurde auch in der Zahl der gültigen Stimmen pro Wahlgang sichtbar. Nämlich so:

Um Platz 1 waren es 191 gültige (von 201 abgegebenen) Stimmen gewesen. Um Platz 2 wurden es sogar 203. Um Platz 3 sackten die gültigen Stimmen auf 173 ab – naja: es war mangels Gegenkandidatur auch nicht viel abzustimmen. Um Platz 4 besserte sich die Zahl der gültigen Stimmen wieder auf 200, allerdings sank sie in der Stichwahl auf 187.

Nach dem Mittagessen, um Platz 5, gab es nur mehr 158 gültige Stimmen. Um Platz 6 nur mehr 148 bzw. 140 in der Stichwahl. Danach gingen einige nach Hause. Um Platz 7 kamen nur mehr 109 gültige Stimmen zusammen, um Platz 8 noch 99 bzw. 97. Und um Platz 9 und Platz 10 nur mehr 66.

Fazit?

Es gab hinter den 7 Bergen einige, die meinten, die Frustmaschine sei durch Besseres zu ersetzen.

Konnte wer glücklich sein? Die Frauen als Gesamtheit? In gewissem Ausmaß ja. Sie hatten alle ihre 5 Kandidatinnen auf der Liste untergebracht. Auf den Plätzen 1, 3, 5, 7 und 9. Das stand ihnen statutengemäß zu. Insofern aber auch … das Minimum, kein „Sieg“.

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m.b.
m.b.
2 Jahre alt

also: eine auf eine regionalliste nicht an wählbarer stelle gereihte parteiobfrau hat im österreichischen bundesland kärnten bereits zur gründung einer weiteren, abgespalteten liste geführt. die nicht-wahl eines verdienten abgeordneten auf platz 4 hat in österreich auch schon zur gründung einer eigenen liste und damit verbunden zu saftigen niederlagen geführt.
insofern birgt das wahlergebnis hinter den 7 bergen auch einiges an gefahrenpotenzial.