Veröffentlicht in Politik

selbstbewusst nachhaltig regional angepasst ökologisch wirtschaftlich vertretbar

Soll das Land Tirol ein selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Olympische und Paralympische Winterspiele Innsbruck-Tirol 2026 legen?

Heute haben die Tiroler Landesregierung und die Stadt Innsbruck 10 „Grundsätze“ für eine Bewerbung um Olympische Winterspiele 2026 und die entsprechende Fragestellung (s.o.) für die Volksbefragung am 15.10.2017 präsentiert. Alles nett und schön; aber kaum realistisch.

Schon am Freitag davor war die Fragestellung im Landesausschuss der Tiroler Grünen bekannt. In den Wochen davor hatten die Tiroler Grünen bereits 26 Fragen an das Österreichisches Olympische Komitee (ÖOC) formuliert und angedroht, der Bevölkerung ein „Nein“ bei der Volksbefragung zu empfehlen, wenn die Fragen nicht bis zum 7. August beantwortet seien.

Bei der Sitzung des Landesausschusses war ich (natürlich) nicht anwesend. Die Diskussion im Landesausschuss sei an sich klar gegen Olympia 2026 gewesen, höre ich. Anwesende haben mir berichtet, dass trotz der an sich klar ablehnenden Stimmung letztlich ein „skeptisches Ja“ beschlossen worden sei. Das sei aber geheim und man dürfe bis Montag nichts veröffentlichen. Ich habe mich daran gehalten und nichts veröffentlicht (obwohl es mich gejuckt hat) und habe auch niemand anderen informiert, insbesondere nicht den Betreiber von dietiwag.org, Herrn Markus Wilhelm. Der wusste aber auch verfrüht davon und hat das aber publiziert – und die Tiroler Grünen suchen nun offenbar die undichte Stelle, die jedenfalls nicht ich bin.

Nun sagt eine Presseaussendung der Grünen (und auch ein Diskussionsbeitrag von Klubobmann Gebi Mair im Blog dietiwag.org), dass die Grünen im Landesausschuss kein „skeptisches Ja“, sondern eine „konstruktive Skepsis“ beschlossen hätten, verpackt in einem langen Text von einerseits, andrerseits und ebenso:

Im Bewusstsein über die Chancen, die olympische Spiele für Tirol bedeuten und über die Risiken, die damit einhergehen sehen wir die Bemühungen um reduzierte und nachhaltige Spiele ohne neue Infrastruktur ebenso wie die finanziellen Risiken und das Konfliktpotential mit einer Tourismusstrategie für einen nachhaltigen und ökologisch verträglichen Tourismus. Wir sehen die Bemühungen um den Klimaschutz, und gleichzeitig die Belastungen, die olympische Spiele für die Umwelt bringen. Wir sehen die Begeisterung für den Sport und wirtschaftliche Möglichkeiten ebenso wie die Bedenken über Kommerzialisierung und unverträgliche Größe. Wir sehen riskante Fragen der Haftung und der Sicherheitskosten und mangelnde Transparenz des internationalen olympischen Komitees ebenso wie die Möglichkeiten, dass olympische Spiele zu einem Image von Offenheit und Internationalität Tirols beitragen können.
Im Bewusstsein über Chancen und Risiken sehen wir die Notwendigkeit transparenter und vertiefter Information für die Entscheidung der Tiroler Bevölkerung am 15. Oktober 2017 und begegnen einer möglichen Bewerbung Tirols selbst mit einer konstruktiven Skepsis.“

Also was jetzt?

Ich habe jetzt einige Fragen:

1. Welchen Unterschied gibt es zwischen einem „skeptischen Ja“ und einer „konstruktiven Skepsis“? Keinen? Dann ist es also ein „Ja“ zu einer Bewerbung. Doch ja, schon einen? Dann ist der Beschluss im Landesausschuss also overruled. Von wem?

2. Hat das ÖOC die 26 guten Fragen der Tiroler Grünen beantwortet? Ich finde keine Antwort online. Gibt es eine? Dann an die Öffentlichkeit mit ihr. Gibt es keine? Für diesen Fall haben die Tiroler Grünen ein „Nein“ angekündigt, keine „konstruktive Skepsis“. Also was jetzt? Können wir uns auf die Ankündigungen der Tiroler Grünen verlassen?

3. Wären die Tiroler Grünen auch für andere Dinge, wenn sie ökologisch, nachhaltig, selbstbewusst, regional angepasst sind? Wie ist das bei Waffenhandel, Drogenhandel, Menschenhandel? Reicht es, wenn so was mit einem niedrigen ökologischen Fußabdruck, nachhaltig und regional angepasst, aber selbsbewusst durchgeführt wird?


Spaß beiseite: Man kann natürlich Olympische Winterspiele nicht ohne Weiteres mit Waffen-, Drogen-, Menschenhandel vergleichen. Aber dass das IOC eine höchst korrupte Organisation ist, von Korruption geradezu durchsetzt ist, müsste eigentlich mittlerweile schon klar sein. Ich würde dem IOC und auch dem ÖOC kein gebrauchtes Fahrrad abkaufen wollen.

An der Fragestellung hat sicher ein Grüner mitgearbeitet. Sie ist extrem suggestiv „gelungen“. Gegen selbstbewusst nachhaltig regional angepasst ökologisch wirtschaftlich vertretbar kann man doch gar nix haben. Doch: man kann! Wenn man das Ding, das so auftritt, an sich für problematisch hält. Deshalb der Vergleich mit Waffen-, Drogen-, Menschenhandel.

Und: Parteien, die in wichtigen Fragen keine klaren Botschaften senden, kann man nicht gut wählen. Die Tiroler Grünen sollten zur Schnapsidee Olympische Spiele 2026 ein klares NEIN sagen, keine „konstruktive Skepsis“ oder ein „skeptisches Ja“. Wenn dann die Bevölkerung tatsächlich mit „Ja“ stimmen sollte und es tatsächlich zu Olympischen Winterspielen 2026 in Tirol kommen sollte, dann geht es selbstverständlich darum, in der konkreten Durchführung möglichst alle Schäden an Ökologie, am Sozialsystem, an den öffentlichen Finanzen zu verhindern oder wenigstens zu minimieren.

„Wir wollen keine Neinsager-Partei mehr sein!“ höre ich. Doch, wir brauchen klare Neinsager, wenn es um Projekte geht, die hauptsächlich Nachteile und Probleme produzieren (und von denen nur sehr wenige profitieren). Ein klares NEIN kann sehr konstruktiv sein. Nicht umsonst bringen wir auch Kindern bei, klar nein zu sagen. Das erwarte ich mir auch von den Grünen.

 

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einladung zur diskussion. alle sind gescheiter als einer.

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michael bürkleGebi Mair Letzte Kommentartoren
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Gebi Mair
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Gebi Mair

Lieber Michael,
1. die Sache mit dem „skeptischen Ja“ ist erfunden, von wem auch immer. Sie entspricht weder der Diskussion noch dem Beschluss im Landesausschuss. Wir haben „konstruktive Skepsis“ beschlossen. Wer dagegen ist möge dagegen sein, als Partei begleiten wir den Prozess konstruktiv, jedoch mit der gebotenen Vorsicht. Abstimmungsempfehlungen brauchen Grüne WählerInnen 2017 keine mehr.
2. ja, auf tirol.gruene.at zu finden und natürlich auch dem Landesausschuss vorgelegen.
3. ich finde Waffenhandel nicht nachhaltig; die Adjektive beschreiben das Angebot, das die Tiroler Landesregierung bei einer positiven Abstimmung machen darf und grenzen die Landesregierung ein.
Liebe Grüße
Gebi

michael bürkle
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michael bürkle

Danke, Gebi, für Deinen Beitrag. 1. „konstruktive Skepsis“: wie gesagt, ich war nicht beim Landesausschuss. Das mit dem „skeptischen Ja“ hab ich nicht erfunden, das ist mir berichtet worden. Offenbar haben das einige so verstanden. Auf jeden Fall stellt sich die Frage, inwieweit eine „konstruktive Skepsis“ ein Ja ist oder nicht. Klare Botschaft ist es keine; schade. 2. Antwort des ÖOC: Ich find sie nicht. Kannst Du einen Link bereitstellen? 3. Die Frage ist, was schöne Adjektive – die im Titel meines Beitrags – bewirken können, wenn die Substantive an sich schon falsch sind. Sorry: ich finde eine Zusammenarbeit mit… Mehr »

michael bürkle
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michael bürkle

Lieber Gebi, liebe MitleserInnen, ich hab mich informiert. Und ich hab ein Foto … Das „skeptische Ja“ wurde sehr wohl diskutiert. Es hat beim grünen Landesausschuss 4 mögliche Optionen / Positionen gegeben: 1. ein „differenziertes Nein“ 2. eine „konstruktive Skepsis“ 3. ein „konstruktives Ja“ 4. ein „skeptisches Ja“ … wobei 3 und 4 Abänderungsanträge zu 2 waren. Abänderungsanträge muss man zuerst abstimmen (wenn das noch so ist); die sind dann nicht angenommen worden. Dann wäre 1 abzustimmen: auch nicht angenommen. Dann 2 mit Beschluss. Tatsächlich stimmt also offenbar, dass die Tiroler Grünen … a) ein „skeptisches Ja“ diskutiert haben b)… Mehr »