Aber leider zieht es sich
Der ORF behauptet in dem gestern abends erschienenen Artikel „Keine großen Sprünge bei Ganztagsschule“, dass Ganztagsschulen in Österreich „ein Schattendasein fristen“. Das hatte ich auch befürchtet; aber wenn ich freilich lese, dass in Wien bereits 56,6% aller Pflichtschüler:innen und in Vorarlberg 49,7% eine Ganztagsschule besuchen, stimmt mich das optimistisch; das hätte ich nicht gedacht. Wir kommen offenbar langsam aus dem Schattendasein heraus. Aber das sind die halt beiden „besten“ Bundesländer; in Tirol sind es mit 18,8% halt viel weniger; immerhin: im Bundesschnitt besucht ziemlich genau ein Drittel aller Pflichtschüler:innen bereits eine Ganztagsschule.
So sieht das aus, von West nach Ost:
6 Bundesländer sind „im Schnitt hinten“.
Dabei muss man schon berücksichtigen, dass nicht alle dieser Ganztagsschulen „verschränkte“ sind, in denen sich Lern-, Kreativ-, Sport- und Ruhephasen abwechseln und über den Tag verteilen. In manchen ist noch am Vormittag Unterricht und am Nachmittag eine Art Lernbetreuung. Aber das Abfüllen von Kindern am Vormittag über 5-6 Stunden mit „Stoff“ und das „Betreuen“ am Nachmittag ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Immerhin haben die Kinder die „Hausaufgaben“ schon erledigt, wenn sie nach Hause kommen.
Schulreform? Ja bitte!
Minister Wiederkehr (NEOS) möchte die Volksschule um 2 Jahre auf 6 Jahre verlängern und erntet – verständlicherweise – Widerstand. Das eckt mehrfach an. Vernünftiger und wichtiger wäre es, an der inneren Gestaltung der Schulen zu arbeiten: wir brauchen viel mehr dieser Ganztagsschulen. Den Zeitpunkt für die Wahl von Mittelschule oder Gymnasium sollte und kann man anders regeln; einen Vorschlag dazu habe ich gemacht.


Hmmm, wenn ich ehrlich bin, traue ich Wiederkehr zwar nicht wirklich die Schlauheit dafür zu, aber: Wäre es eventuell möglich, dass diese Verlängerung der Volksschule eine Art Salamitaktik von Wiederkehr sein könnte, um der ÖVP das Projekt „Gemeinsame Schule bis 14“ quasi scheibchenweise unterzujubeln, ohne dass sie es merkt? Weil die ÖVP will ja bekanntlich auch bei den Schulen, dass „alles so bleibt, wie es früher auch schon nicht war“ – weil sie halt auch da wieder einmal Konservativismus mit kleinbürgerlicher Rückständigkeit und Ignoranz verwechselt. D.h. Ich traue Wiederkehr selbst zwar nicht die „Ausgefuchstheit“ zu, dass ihm so eine Strategie… Mehr »
Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Der Gedankengang ist vermutlich bloß: die Entscheidung soll später sein, also verschieben wir das Ende der Volksschule um 2 Jahre.
Ich trau den keinen hinterfotzigen master plan zu.