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Michael Bürkle

GEO: „Der Atlantikstrom bricht ein“

Der Golfstrom hat Europa erwärmt. Aber …

Dass der sog. „Golfstrom“ warmes Wasser aus dem Golf von Mexico nach Nordwesteuropa bringt und dort das Klima deutlich mildet gestaltet als es sonst wäre, ist schon lange bekannt. Dass der Golfstrom schwächelt, noch nicht so lange. Am 23.4. warnt das Magazin GEO nun: „Der Atlantikstrom bricht ein – und bringt Europa kältere Winter“. (Der „Atlantikstrom“ ist an der Oberfläche das, was man auch den „Golfstrom“ nennt. Es ist nur etwas mehr.)

Schon im September 2025 hat Greenpeace in „Golfstrom kurz vor dem Kippen?“ davor gewarnt, dass sich Nordwesteuropa in naher Zukunft stark abkühlen könnte. „Klimawandel“ heißt nicht unbedingt, dass es immer und überall heißer wird.

Worum geht es?

Es geht eigentlich um die „AMOC“, die „Atlantic Meridional Overturning Circulation“. Das ist eine gigantische Wasserzirkulation im Atlantik, die an der Oberfläche – im sog. „Golfstrom“ – warmes Wasser aus dem Golf von Mexico nach Britannien und Skandinavien bringt. Genauer geht das so:

Die Atlantische Meridionale Meeresströmung (Atlantic Meridional Overturning Circulation, AMOC), das „Förderband“ der Meere, läuft eigentlich wie ein Uhrwerk. Die Meeresströmung – Teile davon bekannt als „der Golfstrom“ – versorgt Europa mit Wärme von der Südhalbkugel, kühlt sich vor Grönland ab, fließt zurück und beginnt die Runde erneut.

Dabei wird die AMOC vor allem durch Dichteunterschiede angetrieben. Kaltes, salziges Wasser ist schwerer als warmes und sinkt in tiefere Schichten, warmes, weniger salziges Wasser strömt nach – das ergibt die Fließbewegung, den Motor der AMOC. So fördert die AMOC warmes Oberflächenwasser aus dem Golf von Mexiko in Richtung Europa bis in den Nordatlantik. Auf dem Weg Richtung Norden kühlt das Wasser ab und zusätzlich steigt der Salzgehalt durch Verdunstung. Das kalte, salzige Wasser sinkt vor Grönland in die Tiefe und fließt als Tiefenwasser zurück Richtung Äquator. Warmes Wasser aus dem Golf von Mexiko fließt nach und transportiert Energie in Form von Wärme Richtung Norden.

Wir haben also an sich ein System, eine Art „Umwälzpumpe“ mit zwei Strömen: den Golfstrom an der Oberfläche, der warmes Wasser nach Nordwesteuropa bringt. Dort kühlt das Wasser ab; getautes Eis fließt als Süßwasser zu; das kalte, salzige Wasser sinkt in die Tiefe und fließt dort in den Süden zurück.

Veränderungen durch den Klimawandel

Das Risiko eines Zusammenbruches des Golfstroms, genauer gesagt der Atlantic Meridional Overturning Circulation (AMOC), könnte viel höher sein als bis jetzt angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie mit Beteiligung vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung. Ein Zusammenbruch dieser globalen Meeresströmung hätte weltweit drastische Folgen. Vor allem in Europa würde sich das Klima deutlich verändern.

Die Umwälzpumpe beginnt zu stottern:

Durch den Klimawandel geschieht genau das: Über dem Nordatlantik und den benachbarten Landmassen regnet es stärker, dadurch fließt mehr Süßwasser ins Meer. Zudem schmilzt das Eis der Arktis zusehends – ebenfalls Süßwasser. Das Salzwasser des Nordatlantiks wird dadurch buchstäblich verdünnt. Weniger salzhaltiges Wasser ist aber auch weniger dicht und damit leichter. Es sinkt nicht mehr so schnell von der Oberfläche in die Tiefe: Die gigantische Umwälzpumpe im Atlantik kommt aus dem Rhythmus.

[…]

Demnach würde sich die Umwälzzirkulation bis 2100 stark verlangsamen und droht mit hoher Wahrscheinlichkeit, ganz zusammenzubrechen. […]

Ein solcher Kollaps würde trockene Sommer und extrem kalte Winter in Nordwesteuropa zur Folge haben. Außerdem würden sich die tropischen Regenzonen verschieben, was gravierende Auswirkungen auf die Landwirtschaft weltweit hätte, erklären die Studienautoren.

Sukkus

Es geht nicht nur um den oberflächlichen Golfstrom; der ist nur ein Teil des Systems. Der „bricht auch nicht plötzlich zusammen“, sondern die Kräfte, die ihn erstellen und antreiben, werden immer schwächer: er bricht allmählich zusammen. Es geht um komplexe Veränderungen durch den Klimawandel, die wiederum den Klimawandel verstärken. Wir haben da eine „positive Rückkopplung“, die sich verstärkt. Zu dem ganzen Regelkreis gehört auch das Abschmelzen des Grönlandeises und der Arktis.

Es wäre dringender Handlungsbedarf gegeben, aber nicht in Europa, in Asien, in Nordeuropa, in den USA – sondern überall. Wir müssten schnellstens Treibhausgas­emissionen verhindern.


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