michael bürkle

texte … zu bildung, politik und ähnlichem und die einladung zur diskussion …

Michael Bürkle

Herunterfahren hinunterfahren!

Eine mutiertes Virus hat die Welt erschüttert – und tut es weiterhin. Aber die Menschheit lernt allmählich, damit umzugehen. Das Virus („SARS-CoV-2“) erzeugt als „CoViD-19“ im Normalfall grippeähnliche Symptome und ist im Regelfall ungefährlich; es greift aber manchmal auch die Lunge in Form einer Lungenentzündung an und wird in seltenen Fällen lebensgefährlich, vor allem wenn es auf ernste Vorerkrankungen trifft – ähnlich wie bei Grippeinfektionen. Und es breitet sich ganz flott aus.

Zur Situation

In China ist die Wachstumsrate der vom Coronavirus erzeugten Infektion CoViD-19 praktisch bei 0; in Südkorea geht ein fast schon abgeschlossen erschienenes logistisches Wachstum in ein schwaches lineares über – offenbar gibt es noch „Glutnester“. In Italien sind die Situationen durchaus verschieden: in der Lombardei hat es bei ca. 10 Millionen Einwohnern heute (22.3.) schon mehr als 25.000 Infektionen gegeben, also 0,25% aller Einwohner oder etwa 2,5‰ – und man ergreift endlich ernsthafte Quarantänemaßnahmen, vor allem, weil auch die Sterberate mit über 3.000 Toten erheblich höher ist als in China oder Südkorea und viel zu wenige Intensivbetten zur Verfügung stehen. In Venetien sind es heute ca. 4.200 Infektionen bei knapp 5 Millionen Einwohnern, also nicht ganz 1‰; im Piemont ist es noch ein bisschen „besser“ (oder „weniger schlecht“) mit ca. 3.500 Infektionen auf etwa 4,5 Millionen Einwohnern (0,83‰).

Deutschland (mit 0,22‰) und die Niederlande (mit etwa 0,12‰) stehen noch recht gut da. Wesentlich härter hat die Infektion die Schweiz getroffen, wo bei 8,5 Millionen Einwohnern schon über 6.000 Infektionen vorliegen (ca. 0,72‰). (Je näher Ialien, desto schlimmer?) In Spanien sieht es insgesamt ähnlich schlimm wie in Italien aus, wobei sich die Infektionen rund um Madrid konzentrieren. In Großbritannien und den USA sind die Fallzahlen noch relativ gering, aber die Wachstumsraten schon hoch: hier käme es auf eine schnelle und gute Politik an. In allen Ländern geht es darum, für die absehbar vielen ernsten Fälle im Gesundheitssystem genügend Ressourcen zu haben und die Infektion zu „strecken“, damit die Maximalzahl der Fälle bearbeitbar wird.

In Österreich vollbringt die Bundesregierung eine Meisterleistung. Bei knapp 9 Millionen Einwohnern halten wir derzeit bei 3.244 Infektionen oder ca. 0,36‰, obwohl allein das Bundesland Tirol mit dzt. 644 Infektionen mehr als ein Fünftel der Fälle ausmacht und damit in etwa bei einer Infektionsrate wie im Piemont liegt: derzeit ca. 0,85‰. Die Tiroler Situation ist dabei wohl neben der Nähe zu Italien zu einem erheblichen Ausmaß einer auf kurzsichtigen cash starrenden Tourismuswirtschaft zu verdanken und einer mehr als patscherten Landesregierung. Die Bundesregierung hingegen hat in der Art und Weise, wie sie die Sache behandelt, die Bevölkerung weitgehend hinter sich und erntet bei aller Belastung viel Verständnis.

Die Situation in Österreich

Österreich verzeichnet nun schon 5 Tage hintereinander – jeweils gemessen um 15 Uhr – zwar steigende Zunahme von Infektionen in absoluten Zahlen, aber sinkende Zunahme in Prozentzahlen:

Datum Anzahl Infektionen Zunahme absolut Zunahme relativ
Di 17.3. 1.332 314 30,8%
Mi 18.3. 1.646 314 23,6%
Do 19.3. 2.013 367 22,3%
Fr 20.3. 2.388 375 18,6%
Sa 21.3. 2.814 426 17,8%
So 22.3. 3.244 430 15,3%

(Der „Morgenwert“ – die Zahlen um 8 Uhr früh – hat heute sogar schon gedreht:

Datum Anzahl Infektionen Zunahme absolut Zunahme relativ
Di 17.3. 1.132 173 18,0%
Mi 18.3. 1.471 339 29,9%
Do 19.3. 1.843 372 25,3%
Fr 20.3. 2.203 360 19,5%
Sa 21.3. 2.664 461 20,9%
So 22.3. 3.026 362 13,6%

Das darf optimistisch stimmen … obwohl anzunehmen ist, dass die Morgenwerte nicht so seriös gesammelt werden, weil sie wesentlich weniger regelmäßig sind.)

Österreichs Infektionspfad folgt damit ziemlich genau einem logistischen Wachstum mit einem Grenzwert von ca. 8.400 Infektionen:

In wenigen Tagen wird auch die Zunahme in absoluten Zahlen stationär werden und dann zu sinken beginnen. Wir gehen aus der Phase des (scheinbar) exponenziellen Wachstums eines logistischen Prozesses in die (scheinbar) lineare Phase über. Wir schaffen den turnaround; der Wendepunkt – durchaus auch im Sinn der Differenzialrechnung – ist zum Greifen nah. (Die Sache ist noch nicht ausgestanden; es können noch „Glutnester“ aufflammen. Jetzt bloß nicht übermütig werden, aber …)

… was ist nun zu tun?

Quarantäne ist nicht lustig; Quarantäne ist auch gefährlich. Die Maßnahme, alle 279 Gemeinden eines Bundeslands in Quarantäne zu setzen, den Aufenthalt im Freien zu verbieten, Joggen und Radfahren zu verbieten, weil man offensichtlich ein miserables Gewissen wegen gravierender Fehlentscheidungen hat und nun glaubt, Dinge gut machen zu können und zu müssen, indem man besonders beflissen tut, ist als sinnlos und kontraproduktiv zu erkennen. Warum Quarantäne, wenn in einer Gemeinde keine einzige Infektion nachgewiesen ist? Es geht darum, hoffnungslos überzogene Maßnahmen in den richtigen Rahmen zu weisen.

Es geht darum, das Herunterfahren Österreichs schrittweise herunterzufahren – also die Sozialstrukturen Österreichs schrittweise wieder herzustellen, „hinaufzufahren“. Dabei muss als Grundregel einstweilen das „Abstand halten“ weiterhin gelten. Radfahren und Joggen muss erlaubt sein; Radfahren und Joggen in der Gruppe noch nicht. Spielplätze und Parks sind wieder zu öffnen – aber nicht für Menschen in großen Gruppen.

Noch keine Chance für Bergtouren und Mountainbiking: wir brauchen keine Hubschraubereinsätze; wir werden noch genug Intensivbetten für CoViD-19-Patienten mit Vorerkrankungen brauchen. Arbeitsplätze können wieder geöffnet werden, wenn die nötigen Abstände eingehalten werden: home office kann Schritt für Schritt wieder office office werden: Arbeitsplatzsicherheit steigt. Aber die Öffnung der Schulhäuser und der Universitätsgebäude ist noch zu früh: noch ist Fernunterricht angesagt.

Wir schaffen das. Und mit dem Gelernten schaffen wir dann auch die Klimakrise, die Flüchtlingskrise, die Bildungskrise.


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Jan Kees
Jan Kees
4 Jahre alt

18 Okt. 2019 Event 201 pandemic exercise, simulation, Bill Gates Foundation, world registration and vaccination incl. tracking chip, microsoft smart tattoo

Jan Kees
Jan Kees
4 Jahre alt

Meine lezte Beitrag war undeutlich, sicher in Bezug auf den Gegenstand herunterfahren. Eigentlich wollte ich sagen dass wenn man auf diese Schlagwörter googled kommt man auf interessante Themen. Bischen faul meinerseits. Ich fürchte, dass es mit dem herunterfahren „boda“ [= ziemlich] langsam gehen wird. Bei uns in den Niederlanden hat man die Massnahmen sehr verschärft, voraussichtlich bis ersten Juni. Am 18 Okt.2019 fand in New York eine Versammlung statt wobei man sich übte, was zu tun im Falle einer Pandemie. U.a. organisiert durch der Bill@Melinda Gates Foundation. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Bill Gates mit Vaccination’Themen. In der nahe Zukunft… Mehr »

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