Veröffentlicht in allgemein, Politik

„Kriegsmüde?“ – Ja; ich!

Das profil vom 26.6. will uns vor Kriegsmüdigkeit bewahren; es titelt:

Das profil stellt fest: die erste Ukraine-Euphorie in blau-gelben Fahnen sei vorbei. Es sehe so aus, „als seien die Bürgerinnen und Bürger im Westen zusehends genau das – müde. Müde der Sanktionen, müde der schlechten Nachrichten, müde der beunruhigenden Prognosen.

Doch es sei wichtig und eine „notwendige Anstrengung, die Ukraine davor zu bewahren, langsam von Russland stranguliert zu werden. Sanktionen, die nicht zum Ziel führen, können verbessert werden. Waffenlieferungen, die nicht den erhofften Umschwung gebracht haben, können intensiviert werden. Und eine Bevölkerung, die kriegsmüde ist, weil sie den Sinn ihrer Opfer nicht versteht, kann man wachrütteln.

Ich bin kriegsmüde

Ich gestehe: ich bin kriegsmüde. Ich bin sogar kriegsüberdrüssig. Ich war vom ersten Tag der russischen Invasion, die ich nach den langen Manövern im Grenzgebiet erwartet hatte, kriegsmüde. Ich halte einen Eroberungskrieg und den in der Ukraine im Besonderen für ein völkerrechtliches Verbrechen – und Putin ergo für einen Verbrecher im Sinn des Völkerrechts. Ich halte diesen Krieg für falsch; er gehört raschest beendet und durch sinnvolle Verhandlungen gelöst.

Ich halte Putin für einen Verbrecher im Sinne des Völkerrechts, aber ich traue auch der ukrainischen Führung unter Selenskiy nicht wirklich. Die wollen offenbar den Krieg mit möglichst vielen NATO-Waffen; die wollen nicht verhandeln; die nehmen Massen von Toten in Kauf – mit geradezu größenwahnsinnigen Ankündigungen, man werde alle verlorenen Städte zurückerobern. Ein Seiltanz über einem ungeheuren Abgrund.

Ich halte den EU-Kandidatenstatus für die Ukraine für richtig. Aber für eine wirkliche EU-Mitgliedschaft müsste die Ukraine, die vor dem Krieg noch eine sehr korrupte Nomenklatura hatte, noch wesentliche Veränderungen vollziehen. Die ukrainische Demokratie ist noch nicht gefestigt – vielleicht wird sie es durch den Krieg; mag sein. (Auch die österreichischen Demokraten nach 1945 hatten sich – jedenfalls zum Teil – in den Konzentrationslagern der Nazis gefunden.)

Ich bin schon dafür zu sorgen, dass Putins Russland diesen Krieg nicht gewinnt im Sinne einer Annexion der Ukraine. Ich bin aber durchaus – jenseits der Frage einer EU-Mitgliedschaft der Ukraine – für eine Neutralität der Ukraine und für eine regionale Autonomie jener Bezirke der Ukraine, die dominierend Russisch sprechen und deren Bevölkerung sich zu guten Teilen auch als Russen fühlt und dementsprechend wählt: die Krim, Luhansk, Donezk. Darüber muss man verhandeln können. Man könnte sich an der Neutralität Österreichs orientieren und an der Autonomie Südtirols – es gibt gute Beispiele.

Was ist das Gegenteil von „kriegsmüde“?

kriegsmunter? kriegsfroh? kriegslüstern? kriegsgeil? Nichts davon stimmt für mich. Dieser Krieg ist verbrecherisch und er ist falsch. Er gehört am Verhandlungstisch beendet. So schnell wie möglich. Jedes getötete Menschenleben ist eines zu viel.

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[…] Friedensplan habe ich hier in meinem Blog schon 7 mal publiziert (7.3., 29.3., 21.5., 1.6., 7.6., 30.6., 12.10.). Er besteht i.W. aus folgenden Punkten (Formulierung i.W. vom […]