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Neues von der SMBS

Zum Stand des Plagiatsskandals an der Uni Salzburg

Der Wissenschaftsskandal an der SMBS der Uni Salzburg – das Fragezeichen, das ich vorgestern noch gesetzt hatte: („SMBS: „Wissenschaftsskandal“?“) muss man sich mittlerweile sparen, denke ich – geht weiter. Ich habe zwar auf meine Fragen vom 2.7. bzw. vom 28.6. an den Vizerektor für Lehre und Studium noch keine Antworten bekommen, aber mittlerweile hat der Rektor der Universität Salzburg, Hendrik Lehnert, reagiert. Zwar noch nicht öffentlich, aber in einem Schreiben an die „students“, die „emeriti“ und das Personal. Er schreibt heute um 12:08:

Liebe Kolleg*innen,
liebe Studierende,

wie Sie vielleicht mitverfolgt haben, war der nun ehemalige Technikvorstand der Zillertaler Verkehrsbetriebe AG erst kürzlich wegen eines Plagiatsvorwurfes in Bezug auf seine Dissertation sehr präsent in den Medien. Diese Arbeit ist im Zuge der Kooperation der Business School der Universität Salzburg (SMBS) mit der Universität Riga bei berufsbegleitenden Doktoratsprogrammen entstanden, wurde aber zum weiteren Verfahren dort nicht zugelassen. Das Rektorat hat diesen Fall und die aktuelle Prüfung von Arbeiten aus den Jahren 2016 und 2017 zum Anlass genommen, den gesamten Prozess kritisch und nach größtmöglichen Qualitätsstandards zu analysieren.

Der Kooperationsvertrag wurde von der SMBS Ende 2015 mit der Universität Riga abgeschlossen; seitdem sind 39 Dissertationen auf diesem Weg entstanden; der Großteil davon (27 Arbeiten) in den Jahren 2016 bis 2019. Mit Amtsantritt dieses Rektorates wurden zahlreiche strategische, inhaltliche und personelle Änderungen an der SMBS durchgeführt, die zu einer wesentlichen Verbesserung der Transparenz und zur Qualitätssicherung beigetragen haben.

Es ist unser größtes Anliegen, dass an der PLUS – und damit auch an ihrer Tochtergesellschaft, der SMBS – höchste wissenschaftliche Standards Bestand haben. Aus diesem Grund werden wir gemeinsam mit der Universität Riga sämtliche Arbeiten des Kooperationszeitraumes systematisch überprüfen. Auch wenn die Dissertationen an der Universität Riga eingereicht wurden und somit die PLUS keine (rechtliche) Zuständigkeit oder gar Verpflichtung hat, einen Qualitätscheck durchzuführen, setzen wir alles daran, allfällige Vorwürfe umfassend aufzuklären. Unabhängig davon hat sich die PLUS entschlossen, das Doktoratsprogramm mit der Universität Riga nicht fortzuführen.

Wir werden Sie selbstverständlich über weitere Schritte und Ergebnisse in dieser Angelegenheit informiert halten.

Mit den besten Grüßen,

Hendrik Lehnert
für das gesamte Rektoratsteam

Sukkus: Viele Arbeiten der Vergangenheit werden geprüft; das Doktoratsprogramm mit der Uni Riga wird nicht fortgeführt.

Zusatzinfo zum Stand

Laut Info durch Plagiatsforscher Stefan Weber hat dieser „derzeit inkl. Schreiner 7 Arbeiten überprüft. 5 schwerwiegend plagiatsinfiziert“.

Ja, ich denke, das Fragezeichen muss weg. Der Skandal weitet sich aus. Aber die Uni reagiert wenigstens, wenn auch zögerlich.

Bedauerlich!

Bedauerlich ist das natürlich für ehrliche Menschen, die an der SMBS seriös studiert haben und auf ehrliche Weise einen Abschluss erworben haben. (Ich bin mir sicher, dass es solche Menschen gibt.) Die SMBS hat mit ihrer – sagen wir: – Schlampigkeit in der Durchführung der Studienabschlüsse mit Riga ehrliche Arbeit in Misskredit gebracht und diskreditiert: „Aha, Sie haben an der SMBS in Riga promoviert? Tja …“ Diese ehrlichen, seriösen Menschen gehören in der ganzen Angelegenheit zu den Betrogenen.

Bedauerlich ist das insgesamt auch für die Uni Salzburg, für ihren Ruf und für das Ansehen der Wissenschaft schlechthin.

Neue Fragen, die sich auftun:

Durch das interne Mail des Rektors tun sich m.E. neue Fragen auf:

  • Warum informiert die Uni Salzburg nur intern ihre Studierenden, Emeriti und Mitarbeiter*innen und nicht die Öffentlichkeit?
  • Was geschieht mit den Arbeiten und den erzielten Abschlüssen, wenn die Analyse der Arbeiten aus den Jahren 2016 bis 2019 im Rückblick problematische Zustände erkennen lässt?
  • Worin bestehen „zahlreiche strategische, inhaltliche und personelle Änderungen“ an der SMBS durch das jetzige Rektorat?
  • Wie konnte es trotz „wesentlicher Verbesserungen der Transparenz und zur Qualitätssicherung“ im Jahr 2023 zum „Fall Schreiner“ kommen?
  • Wirkt die Sistierung des Kooperationsvertrags mit Riga sofort oder sollen laufende Projekte noch abgeschlossen werden?

Persönlich frage ich mich, was ich von der Kompetenz eines  Vizerektors für Lehre und Studium zu halten habe, der noch vor 5 Tagen „keine Missstände erkennen“ konnte oder wollte.

Ein gravierendes rechtliches Problem

Stefan Weber macht mich noch auf eine hochschulrechtliche Frage aufmerksam: „Kann in Lettland der Doktortitel wegen Plagiats überhaupt aberkannt werden?“

Auch das muss noch geklärt werden!

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abcde
abcde
7 Monate alt

In der Email ist wiederholt von der „Universität Riga“ die Rede. Die gibt es nicht. Der Kooperationspartner heisst „Lettische Universität“ (LU), die sitzt zwar in Riga, Riga kommt aber im Namen nicht vor. Daneben gibt es noch die „Rigaer Technische Universität“ (RTU), hier kommt Riga in Namen vor, und einige andere (staatliche und private) Hochschulen. Die Bezeichnung „Universität Riga“ ist keinesfalls eindeutig. Ich frage mich, was von der Kompetenz eines Rektoratsteams zu halten ist, das die Kooperationspartner nicht einmal dem Namen nach kennt.