Das Klimapapier der Wirtschaftskammer
Ich habe gestern über eine sehr umstrittene „Studie“ berichtet: „Forschung? Kriterien?“ Die Wirtschaftskammer ließ anhand dieser „Studie“ verlauten, dass eine engagierte Klimapolitik – kurz: klimaneutral um 2040 – zu einer Erhöhung des Diesel-Preises bis 2035 um 95 Cent pro Liter führen würde.
Greenpeace, zwei prominente Wirtschaftswissenschaftler:innen und die Grünen kritisieren die Studie heftig. Der Hauptvorwurf: keine wissenschaftliche Methodik nachgewiesen. Man kann das nachlesen. Bewiesen ist da gar nichts. Ich habe auch weitere Bedenken angemeldet.
Der Dieselpreis 2035
Über den Dieselpreis im Jahr 2035 kann man an sich noch wenig sagen: Prognosen sind schwierig; der Preis hängt von vielen Faktoren ab. Aber ich denke, die 95 Cent „Plus“ könnten durchaus stimmen. Sie sind aber nicht eine Folge einer Klimapolitik. Wir müssen ganz einfach damit rechnen, dass die Dieselpreise in den nächsten Jahren steigen werden, unabhängig davom, was für eine Klimapolitik Österreich macht: ob sie mehr oder weniger ambitioniert oder engagiert ist. Die Preise für fossile Energien werden nämlich unaufhörlich steigen, weltweit. Das „klassische“ Öl geht aus.
Hat der Dieselpreis also nichts mit der Klimapolitik zu tun? Doch: nur umgekehrt. Nicht nur wegen der emittierten Treibhausgase, sondern auch weil der Dieselpreis so hoch werden wird, brauchen wir dringend einen Ausstieg aus der Verbrennertechnologie. Je früher wir da draußen sind, desto besser sind die Bedingungen für unsere Wirtschaftsbetriebe. Wer weiterhin verbrennt, ist und bleibt hinten. Die hohen Preise für fossile Brennstoffe werden (oder würden) die Inflation immer weiter anheizen. (Das tun sie ja jetzt auch schon.)
Insofern könnte die Prognose der „Studie“ für die Wirtschaftskammer durchaus korrekt sein – wenn auch aus falschen Voraussetzungen abgeleitet. Aber aus falschen Voraussetzungen kann man fast alles ableiten.
