Veröffentlicht in Privates, Bildung, Politik

Seit gestern bin ich Stromproduzent

Das Haus

Meine Eltern haben 1974 in meinem Heimatort Bürs in Vorarlberg ein Haus gebaut, kurz nach der sog. „Ölkrise“. Aus den damals ungewohnt „hohen“ (?) Ölpreisen hatten sie einen Schluss gezogen und sich für eine „Elektrospeicherheizung“ entschieden. Später wurde Strom teuer und Gas war billig und meine Eltern ließen auf eine Gasheizung umrüsten. 2015 starb mein Vater und ich habe das Haus geerbt. Jetzt musste bzw. wollte ich renovieren nach der Devise „Raus aus dem Gas“; es traf sich gut: die Gasheizung war schon äußerst reparaturanfällig.

Die Renovierung

Gestern habe ich die Renovierung i.W. abgeschlossen. Ich hatte mich – schon 2022, aber da ging sich alles nicht mehr aus – für eine Wärmepumpe entschieden, also wieder eine Art Heizung „mit Strom“ – aber auch aus der Lufttemperatur. Der Plan hatte gravierende und nicht billige Folgen: es musste zusätzlich gedämmt werden (Fassaden, Dach), es brauchte dazu passende neue Fenster. Über die reine Renovierung hinaus dachten meine Frau und ich auch an Photovoltaik auf der Südost-Hälfte des Daches und ließen uns beraten. Ja, das sei sinnvoll: Es sind da 9,96 kWp („kilowatt peak“) geworden.

Usw. usf. Billig wars nicht. Aber ich bin beim „Heizwärmebedarf“ auf einen „guten“ Wert („C“) von 61 gekommen (ab 50 und drunter könnte man evtl. von einem Niedrigenergiehaus sprechen; dass meine Eltern 1974 nicht mehr an ein Unterkellern gedacht hatten, rächte sich nun offenbar); beim „Primärenergiebedarf“ liegen wir mit „47“ im Bestbereich „A++“, ebenso bei den „äquivalenten CO2-Emissionen“ (mit „6“) und bei der „Gesamtenergieeffizienz“ fGEE mit „0,67“ bei „A+“.

Man hätte auch bescheidener und billiger „sanieren“ können; ich habe mir offenbar eine Art Luxusvariante gegönnt, was mir anfangs noch nicht völlig klar war.

ich als Stromproduzent

Gestern schloss ein Techniker die Photovoltaik-Anlage an; seither produziere ich nun auf dem Dach Strom. Ich kann die Gewinnung und Verwertung des Stroms per Internet kontrollieren. Es geht sehr viel automatisch: der gewonnene Strom wird für den Hausgebrauch verwendet; ein allfälliger Rest geht in das allgemeine Stromnetz. Mein Energieversorger, die VKW – das ist die „TiWAG von Vorarlberg“, die landeseigene Stromgesellschaft – zahlt mir pro eingespeister kWh 9 Cent, weil ich die VKW als meinen Energieversorger gewählt habe. (Verkaufen tut sie ihren Strom an mich etwa doppelt so teuer.) Es gibt eine Software dazu; ich sehe da z.B. als „aktuelle Leistung“:

Wir produzieren da gerade (begleitet vom Schall der Bürser Kirchenglocken) 2,77 kW, wovon 37 W den Eigenbedarf decken und die restlichen 2,74 kW ins Netz gespeist werden. Welcher „Eigenbedarf“ das ist? Ich bin derzeit nicht „daheim“, niemand ist in der Wohnung: aber ein Kühlschrank läuft, ein Router und andere unvermeidliche Kleinigkeiten. (Beim Router müssen wir umlernen; den haben wir bisher immer wieder abgeschaltet; jetzt soll er „durchrennen“.)

Man kann sich das auch genauer ansehen – hier ein Bild für die „Ernte“:

 

Warum hat eine nigelnagelneue PV-Anlage nur eine Auslastung von 29%? Weil es in Bürs zum Zeitpunkt der Aufnahme „stark bewölkt“ war (und deshalb z.B. nur 12° hatte).

Ich bekomme auch eine laufende Tagesbilanz ausgewiesen:

Wir haben also kurz vor 12 Uhr 0,48 kWh aus dem Netz entnommen – vor allem in der Nacht – und schon 5,5 kWh in das Netz eingespeist. (Eine gute Stunde später sind es immer noch 0,48 kWh Entnahme aus dem Netz, aber bereits 14,8 kWh Einspeisung. Und kurz vor 15 Uhr – es war nur mehr „wolkig“ – betrug die Auslastung 66% und 22,3 kWh Tageseinspeisung.)

Aussichten

Ich denke, wir werden einen erheblichen Teil des Strombedarfs aus Solarenergie decken können. Wir leben an sich sowieso schon recht bewusst und „sparsam“, ohne uns zu quälen, und ich denke, wir können auch Spitzenbelastungen in Summe aus der Sonne decken. Nicht wenn es stark bewölkt oder dunkel ist; klar. Dafür werden wir oft einspeisen können, weil wir die Menge des selbst erzeugten Stroms gar nicht verbrauchen können. Ich werde das alles langfristig beobachten.

Das Diagramm, das uns die aktuelle Leistung ausweist, eröffnet noch eine weitere gedankliche Möglichkeit: wir könnten auch eine Art „Batterie“ mit Solarenergie füllen. Die Software weiß das schon, aber unser derzeitiger Wechselrichter sieht das offenbar noch nicht vor. Dann könnten wir auf den „teuren“ Strom unseres Netzbetreibers sogar manchmal verzichten.

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Theodor
Theodor
7 Monate alt

Eine Auslastung von 29% hängt auch mit der Sonnenhöhe zusammen. Eigentlich ist es der aktuelle Ertrag im Vergleich zum höchstmöglichen. In der Ausrichtung des Paneels gibt es einen Höchstwert, wenn die Sonne dazu senkrecht steht. Ist nur sehr rar der Fall.

Ein „nachgeführte“ Anlage steht in Blons seit 2003.

trackback

[…] Seit dem 30. Juni produziert das Dach meines Elternhauses in Bürs Solarstrom. Im Zug einer Generalsanierung des Hauses („Raus aus dem Gas“) habe ich das Haus auch mit einer Photovoltaik-Anlage (9,96 kWp) ausgestattet. Die produziert nun klimaneutralen Strom – ich habe darüber berichtet. […]

trackback

[…] 30.6. habe ich eine Photovoltaik-Anlage im Haus meiner Eltern in Bürs in Betrieb genommen. Seit 1.7. produziere ich […]