Veröffentlicht in Bildung, Politik

Ach Polaschek …

„Wir brauchen eine positive Erzählung“

Heute in der ZiB um 17 Uhr: Bildungspolitik als Thema. Das Bildungsministerium setze auf „Werbeaktivitäten für neues Lehrpersonal“; man wolle „verstärkt auf Quereinsteiger setzen“; auch wolle man „das Image des Lehrberufs aufpolieren“ – mit einer Kampagne um 600.000 Euro.

Dann Minister Polaschek im O-Ton:

Wir brauchen eine positive Erzählung, in der wir den Menschen klar machen, welchen Wert Bildung in unserem Land hat.

Naja: ob wir G’schichtln brauchen (auch wenn es „positive Erzählungen“ sind), möchte ich bezweifeln. Wir brauchen für Lehrpersonen ein ihrer Ausbildung gemäßes ordentliches Gehalt und vernünftige Arbeitsbedingungen in gut strukturierten, gut gebauten Schulen. Viele junge Lehrer*innen lassen den Job relativ schnell wieder, weil unsere Schulen strukturell – und baulich! – veraltet sind und weil junge Lehrer*innen für relativ wenig Geld verdammt viel arbeiten müssen. Da müsste man ansetzen. Oder, speziell für den Minister formuliert:

Ja wenn du gute Lehrer willst, dann musst du sie auch gut bezahlen. Und ausbilden. Wenn du sie nicht gut bezahlst, bekommst du auch keine guten Lehrer. Wenn du die Lehrer bezahlst, aber nicht gut, dann werden sie auch das Gefühl bekommen, dass ihre Arbeit nicht viel wert ist, und dann werden sie auch keine guten Lehrer sein. Ich bitte, das einmal in Ruhe durchzudenken. Wenn sich die Lehrer in ihrer Arbeit geschätzt vorkommen, dann werden sie auch eine gute Arbeit leisten. Wenn sie keine gute Arbeit leisten oder den Job hinschmeißen, ist das ein Zeichen, dass du sie nicht ausreichend bezahlst oder keine guten Arbeitsbedingungen anbietest.

Alles klar, Herr Minister?

„Quereinsteiger“?

Das muss man übersetzen: Das sind keine ausgebildeten Lehrkräfte; die haben einen anderen Job gelernt. Es ist Feuerwehrpolitik, mit dem „Löschwasser“ ungelernter Lehrkräfte den brennenden Lehrermangel zu beheben. Damit frustriert man Schüler*innen und die Quereinsteriger*innen gleichermaßen. Das ist keine Lösung: das ist nur ein Noteinsatz. (Und führt bisweilen zu negativem Noteneinsatz.)

Klar: auch unter Quereinsteigern kann es pädagogisch begabte Leute geben, die berufsbegleitend noch das andere Notwendige lernen können.

Der neue?

Aber ich vermute, der Minister hat eh schon ÖVP-interne Konkurrenz bekommen: Digitalisierungsstaatssekretär Tursky hat auch schon „in Bildung gemacht“. Er hat (im STANDARD-Interview) die Kreidetafel als das wahre Problem der Schule geortet und ihre Abschaffung gefordert. Ich hab das auch schon kommentiert: „Dem Sekretär ist nix zu schwär …“ oder auch im Kreidekreis, der Zeitschrift der Österreichischen LehrerInnenInitiative (ÖLI), dort auf den Seiten 4 und 5.

Die Ironie: wenn man Tursky machen ließe, würde es in Österreichs Schulen bald keine Kreidekreise mehr geben.

Worüber man reden kann

Ob 3 Jahre Bachelor + 2 Jahre Master statt 4 Jahre Bachelor + 1 Jahr Master besser ist. Wenn mans gut organisiert …

Im Übrigen …

… ist das ganz ähnlich auch im Pflegeberuf.


Und hier noch …

… ein Gastkommentar von Astrid Schuchter

Zum gleichen Thema hat Astrid Schuchter, die Obfrau der ÖLI-UG Tirol, heute an die Tiroler Tageszeitung einen Leserbrief geschrieben. Ich darf ihn hier schon vorabdrucken:

Sehr geehrte Damen und Herren!

In der Ausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 26.10.2022 kündigt der Bundesminister im Bericht „Polaschek wirbt mit ‚Klasse Job‘ um Personal“ die „größte Lehrkräfteoffensive der Zweiten Republik“ an. Wer sich jedoch klare Aussagen zu den hochfliegenden Plänen erwartet, wird beim Lesen bald enttäucht: Schwammige Allgemeinplätze sollen übertünchen, dass das Ministerium den drängenden Problemen im Schulbereich hilflos gegenübersteht.

Schon lange kritisieren Lehrer*innenvertreter*innen der ÖLI-UG fehlende Unterstützungsangebote an Schulen, um soziale Probleme zu bewältigen. Die Mängelliste könnte von viel zu großen Schüler*innengruppen bis überall fehlenden Ressourcen lange fortgesetzt werden.

Beim Dienstgeber – egal ob im Ministerium oder in den Bildungsdirektionen – ist die Bereitschaft, gemeinsam mit Lehrer*innenvertreter*innen Verbesserungen herbeizuführen, bestenfalls ansatzweise vorhanden. Der „attraktive Lebens- und Arbeitsraum“, den laut Polaschek die Schule darstellen soll, muss erst einmal hergestellt werden, damit die derzeit tätigen Lehrkräfte unterstützt und zukünftige Lehrer*innen motiviert werden. Vollmundige Medienkampagnen sind dabei wenig hilfreich!

Mit freundlichen Grüßen
Mag. Astrid Schuchter, Obfrau der ÖLI-UG Tirol

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